Barbalien +Rezension+

Barbalien – Roter Planet

1986 sind auf der Erde die AIDS-Demos im vollen Gange. Es wird darum gekämpft, sich Gehör und Beachtung zu verschaffen, die Forschung soll endlich vorangetrieben werden. Das Thema wird nicht wichtig genug empfunden, da „nur“ Schwule betroffen sind. Mark Markz soll sich als Polizist gegen die Demonstranten stellen, stattdessen rettet er als insgeheim-homosexueller Superheld einem Demonstranten das Leben. Doch kann der Kriegsherr vom Mars die Probleme der Erdlinge verstehen?

Vamos, nene

Miguel – Barbalien, Seite 15

Identitätskrise

Mark Markz versteckt sich auf der Erde, denn auf dem Mars droht ihm die Todesstrafe wegen Verrats und dem „unaussprechlichem Verbrechen, der Paarung mit einem Mann“. Als Gestaltwandler kann er in der Masse untertauchen und versucht als Mensch und in seiner wahren Form als Superheld Gutes zu tun. Er lebt in einer kleinen Wohnung in Spiral City zusammen mit seiner Katze Sigourney. Sein Job ist in Gefahr, weil er sich vor einem Kollegen geoutet hat und er möchte viel lieber mehr über den jungen Latino erfahren, den gerettet hat.

Mit einem neuen Gesicht folgt er ihm und landet so zum ersten Mal in einem Schwulenclub im Underground. Hier kann er zum ersten Mal zumindest teilweise sein, wer er ist und begreift, dass die Probleme zwischen ihm und den Menschen nicht so unterschiedlich sind. Doch kann er sich regenerieren, während viele an dem HIV Virus dahinsiechen.

Das Black Hammer Universum von Jeff Lemire hat sich mit seinen Superhelden bereits etabliert. Nun erhält Tate Brombal die Möglichkeit uns die Origin-Story von Barbalien zu erzählen und das nicht durch Dritte, sondern „Own Voice“ und mit dem Finger in der Wunde. Die AIDS-Krise in Spiral City ist nicht so verschieden von der unseren, die sich inzwischen hauptsächlich in die Dritte Welt verlagert hat. Knight Klüb wird nebenbei als Drag-Superheldin etabliert, die auch schon bei Stonewall dabei war. In diesem Comic wird mehr als ein Stück queere Geschichte aufgegriffen.

Unterstrichen von starken Zeichnungen, starken Symbolen und dem fließendem Morphen von Barbalien in andere Gestalten wird die Geschichte in den Vordergrund gestellt. Zwischen Menschen, Marsianern und seiner sexuellen Orientierung steckt Barbalien in einer tiefen Identitätskrise. Doch diese Geschichte ich viel mehr als nur seine Origin-Story, es ist die Geschichte von vielen, die für ihr Recht zu Leben kämpfen.

Die bisherigen Geschichten über die einzelnen Superhelden, waren eindrückliche, emotionale Charakterporträts. Tate Brombal geht darüber hinaus und zeigt uns das Umfeld, dass Mark Markz geprägt hat.

Barbalien ist nicht der erste queere Superheld im Mainstream, doch seine Geschichte, ist es mehr als wert erzählt und vor allen gehört zu werden.

Barbalien - Roter Planet ...

… ist mehr als eine Origin-Story, es ist ein Stück queere Geschichte.
… hat ein starkes, nachdrückliches Artwork.
… zeigt mehr als nur die Identitätskrise eines Superhelden.

Comics für Einsteiger
Auch für Comic-Einsteiger

Barbalien – Roter Planet ist in sich abgeschlossen und ein spannender Einstiegspunkt, für alle, die die klassischen Superhelden von einer anderen Seite kennenlernen möchten. Der Martian Manhunter stand im gewissen Sinne Pate für diese Figur, die doch so anderes ist. Ebenfalls ist dieser Comic denen zu empfehlen, die ein Stück Zeitgeschehen aus der eigenen Mitte erzählt bekommen möchten.

Anzeige

Barbalien – Roter Planet

Szenario: Jeff Lemire und Tate Brombal
Zeichnungen: Gabriel Hernández Walta
Farben: Jordie Bellaire
Hardcover mit 136 Seiten
ISBN: 978-3-96219-437-6
Erschienen am: 15.12.2021
beim Splitter Verlag

Der Comic wurde mir als kostenfreies Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Meine Meinung ist dadurch nicht beeinflusst.

Mehr aus dem Black Hammer Universum:
Doctor Star
Sherlock Frankenstein
Colonel Weird – Cosmagog
Black Hammer ’45
Skulldigger + Skeleton Boy
Golden Gail – Eine Superheldin?

© Splitter Verlag

Leseprobe über Izneo:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

%d Bloggern gefällt das: