Emil:ia +Rezension+

Emil:ia

Peer Jongelings Debut war Hattest du eigentlich schon die Operation?. In diesem blickte sie auf unterschiedliche genderqueere Charaktere und ihre Geschichten. In ihrem neuen Comic geht es um Emil, der seinen weiblichen Körper abstoßend findet und es kaum erwarten kann, seine Brüste loszuwerden. Doch Gender ist mehr als die körperlichen Merkmale, mit denen Emil sich quält.

Wie überkomme ich das Trauma, als Frau in dieser Welt zu leben, wenn ich der Welt nicht entfliehen kann?

Emil:ia, Peer Jongeling

Von Transition und Detransition

Emil ist in der Transition, er ist ein Transmann und hasst seinen weiblichen Körper. Seine neue Mitbewohnerin Lisa dagegen spart auf Brustimplantate. Ari, sein bester Freund, ist nonbinär und hat sich bereits die Brüste entfernen lassen. Emil beschäftigt sehr vieles in dieser Zeit, das Selbstbild, der Bild der Gesellschaft, Ekel vor dem eigenen Körper, Zweifel und verschiedene Blickwinkel auf das Thema Gender.

Der Comic beginnt sehr ausdrucksstark mit dem Blick in den Spiegel. Die Abscheu gegen die eigenen großen Brüste, wie sie Emil quasi ersticken. Das Bild eines Mannes, der einen Frauenkörper als Anzug trägt. Dann kommt die neue Mitbewohnerin, die einen eigenen Blickwinkel auf den Körper einer Frau hat, wie dieser aussehen muss. Hier treffen Verständnis und Missverständnis aufeinander. Denn Emil hat lange Therapiesitzungen hinter sich, um die Hormontherapie beginnen zu dürfen und seine OP genehmigt zu bekommen. Sein bester Freund Ari ist Emil in der Zeit eine große Unterstützung.

Peer erzählt hier eine zum Teil autobiografische Geschichte, denn nach der OP überkommt Emil plötzlich die Angst, einen riesigen Fehler gemacht zu haben. Ist er eigentlich doch Emilia und nur die Gesellschaft war es, die ihm ein falsches Bild von Frauen vermittelt hat? Diesen Punkt von Peer oder Emil:ia kann ich sehr gut nachvollziehen. Ich habe als Mädchen nie reingepasst und bin aber froh, dass ich mich in meinem Körper wohlfühle. An vielen Punkten passe ich nicht in die gesellschaftlichen Normen, doch was wäre, wenn sie einen stärkeren Einfluss auf mich gehabt hätten? Wenn ich diesen Einschränkungen, die sie uns aufzudrücken versuchen, nachgegeben hätte?

Jeder hat in seinem Leben mal eine falsche Entscheidung getroffen, auch wenn dies manchmal erst viel später klar wird. Schaut euch mal die Scheidungsraten an. Daher ist es von Peer unglaublich wichtig, nicht nur das Thema Transition, sondern auch Detransition zu behandeln. Wir können uns alle einer Sache so sicher sein und sie später doch anders sehen. Die betrifft eben auch die Genderidentität und wie die Transition, beginnt auch die Detransition im Kopf und nicht am Körper.

Emil:ia ist ein einfühlsamer und mutiger Comic über ein Thema, das wichtig ist und offen behandelt werden sollte. Genau wie Transgender sollte auch über Detransitionen offen geredet werden können. Detransitionen dürfen nicht als Vorwand genutzt werden, um Transitionen noch schwieriger zu machen.

Emil:ia ...

… bedient sich einer starken Bildsprache.
… behandelt das Thema Gender in der Gesellschaft, Transition und Detransition.
… ist offen, mutig und ein wichtiger Beitrag zum Thema Geschlechtsidentität.

Comics für Einsteiger
Auch für Comic-Einsteiger

Das Thema Transgender oder Detransition interessiert dich? Dann kann Emil:ia ein sehr guter Einstieg für dich sein. Auch ohne lange Texte und durch eine starke Bildsprache werden das Thema und die Gefühlswelt vermittelt. Es werden keine großen Vorkenntnisse benötigt, um diesem Comic folgen zu können. Durch eine klare Panelstruktur ist die Leserichtung leicht zu erkennen.

Emil:ia

Szenario und Zeichnungen: Peer Jongeling
Softcover mit 136 Seiten
ISBN: 978-3-948904-44-9
Erschienen am: 03.10.2022
beim Jaja Verlag

Der Comic wurde mir als kostenfreies Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Meine Meinung ist dadurch nicht beeinflusst.

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Emil:ia
© Jaja Verlag

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