Die vielen Gesichter des Comics – Gegensätze ziehen sich an

Woran denkt ihr, wenn ihr an Comics denkt? Peanuts, Entenhausen, Asterix oder Superhelden?

Vielleicht denkt ihr an Comicstrips aus Zeitungen oder Zeitschriften. Was wenn ich euch sagen, dass Comics historische Gegebenheiten wiedergeben oder auch gesellschaftskritisch sein können? Sogar in ihrer Form können sie ganz unterschiedlich sein. Comics haben viele Gesichter, sie sind mindestens so divers wie Bücher, wenn nicht sogar noch mehr, da hier auch die bildliche Erzählebene dazukommt.

Die Ecken der Comicwelt

Ich möchte euch mit in diese vielfältige Welt nehmen und euch einen Eindruck über die gewaltige Bandbreite von Comics verschaffen. Dabei lege ich keineswegs den Anspruch auf Vollständigkeit, denn obwohl ich immer wieder über den Tellerrand schaue und somit immer wieder neue Ecken der Comicwelt entdecke, kenn ich sie bei weitem nicht komplett. Mein Plan ist, euch anhand meiner Comicsammlung diese mannigfaltige Welt näherzubringen. Dazu werde ich verschiedene Comics vorstellen aber auch einige direkt miteinander vergleichen. Dabei soll es sowohl um die Erzählungen als auch um die Gestaltung gehen, also von Funny bis Historisches und von schwarz/weiß über Graywork zu den leuchtendsten Farben.

Erzählformen

Erzählform

Als Erzählformen gelten klassische Sprechblasen, Prosaeinschübe oder auch Comicstrips. Als Beispiele für Strips habe ich euch bereits Miki’s Mini Comics und Belzebubs im ersten Teil vorgestellt. Die Belzebubs sind beispielsweise zum Großteil in einem klassischen Viererblock, vier Panels als Quadrat angeordnet, gehalten. Miki hat bereits gezeigt, dass es auch anders geht. Kochen mit Kafka nutzt ein länglicheres Format und spielt auch gerne damit. Als Beispiel für Prosaeinschübe habe ich Kill or be Killed im Gepäck, zum Großteil wird durch die Story in Sprechblasen geführt, aber diese reichen nicht immer aus, dann gibt es ganze Textblöcke, die eingefügt werden. Durch Katze hasst Welt wird mit Sprech- und Gedankenblasen geführt. Die Sprechblase ist wohl das Symbol, mit dem Comics am häufigsten in Verbindung gebracht werden. Kein Wunder, denn dies ist für die meisten Autoren das Mittel der Wahl.

Erzählform

Superhelden, Antihelden und Schurken

Wer Superhelden hört, der denkt vermutlich gleich an die ganzen Marvel und DC Comicverfilmungen, die in den letzten Jahren unsere Kinos geflutet haben. Diese beiden Comicverlage sind auch tatsächlich die beiden größten US Comicverlage, aber auch außerhalb dieser beiden Verlage existieren Superhelden. Beispielsweise hat Jeff Lemire ein eigenes Universum geschaffen, in dem seine Helden aus Black Hammer leben. Superhelden, aber doch so eigenwillig. Freut sich DCs Shazam durch ein Zauberwort von einem Kind zum erwachsenen Superhelden zu werden, leidet Golden Gail darunter, eine kindliche Superheldin zu sein, obwohl sie bereits eine reife Frau ist. Das Schicksal von Golden Gail habe ich in der Superheldinnenwoche bereits eingehender beleuchtet. Antiheld oder Schurke, je nach Autor kann ein Deadpool einfach nur ein Irrer mit dem Herz am rechten Fleck sein oder der Bösewicht, mit dem die Superhelden rechnen müssen. Inzwischen hat sich Deadpool aber als Antiheld etabliert, auch wenn er dazu tendiert, das ganze Universum auslöschen zu wollen. Auch unsere liebsten Superhelden können plötzlich in einer völlig untypischen Umgebung mehr Tiefe bekommen oder einfach nur für Abwechslung sorgen. So hat kein anderer als Neil Gaiman eine handvoll Marvel-Helden in das Jahr 1602 zurückversetzt.

 

Emotionsgeladen

Emotionen

Adventure Huhn und Die Welt der Söhne könnten wohl unterschiedlicher nicht sein und doch haben sie Folgendes gemeinsam. Beide Comics konnte ich nicht aus der Hand legen, die Zeit verging beim Lesen wie im Flug und beide haben mich tief berührt und führten zu Emotionsausbrüchen. Huhn ist leicht und fröhlich gezeichnet, bunt, verrückt und ich musste ständig laut loslachen bei der Geschichte, deren heimliche Heldin Raupe Susan ist. Ein absoluter Spaß und großartiger Feelgood-Comic. Das Werk von Gipi ist schwer und das nicht nur wegen der 300 Seiten im Handcover. Es ist eine tragische Geschichte, eine düstere Endzeitstimmung und Gipis “Gekritzel” schreckt viele erst mal ab. Es ist roh und brutal und dann tritt es dir in die Tränendüsen und du kannst dir nicht helfen aber das Gekritzel wird auf mal viel weicher und stimmiger. Am Ende sitzt du nach 300 Seiten heulend über dem Comic und fragst dich, wo die Zeit geblieben ist.

 

Alles nur (Science) Fiction

Fiktion

Alles muss Science Fiction oder Action sein. So sind doch Comics mit “Boom”, “Splash”, “Pow”, halt der ganzen Onomatopoesie (Lautmalerei). Comic bedient aber mehr als nur ein Genre und alleine der Bereich der Fiktion kann völlig unterschiedlich sein. Warship Jolly Roger hat Action, Raumschiffe und ist laut, Dominik Wendlands Tüti dagegen ist skurril, gegenwärtig und leise. Munro aus Jolly Roger geht seinen Weg, mit wenig Rücksicht auf Verluste. Tüti hingegen lässt sich treiben und ihre unmittelbare Umgebung hat einen deutlichen Einfluss auf sie. Ja, ich vergleiche hier grade einen entehrten General mit einer Tüte. Doch beide sind zum Beginn ihrer Geschichte Helden und für beide ändert sich die Seite, auf der sie stehen. Ob Mensch oder Tüte, laut oder leise, Raumschiff oder Windhauch, Liebe und Tod sind in beiden Geschichten vertreten.

 

Pulp und Historisches

Pulp und Geschichte

Zombieman entspringt dem Captain Berlin Universum. Er ist der Rächer der lebenden Toten, ein Zombie mit Superkräften und Gehirn. Ja Zombieman ist irgendwie Pulp, Trash, Schund und doch wundervoll unterhaltend. Er versucht billig rüberzukommen, hat Erzählstränge, die das unterstreichen sollen. Es lässt sich wohl sagen, Zombieman ist so etwas wie der B-Movie unter den Comics. Gift wiederum ist ein historischer Comic, er beschreibt die Geschehnisse um die Serienmörderin Gesche Gottfried. Für den Comic wurden die Vernehmungsprotokolle von Gottfried herangezogen, sowie Bilder aus der Zeit der Handlung. Gift ist so etwas wie der Dokumentarfilm unter den Comics.

 

Formate

Formate

Comics können in vielen Formaten kommen. Als Heftausgaben, diese können zu Tradepaperbacks gesammelt werden oder sie kommen direkt als zusammenhängende Geschichte raus als Hadcover oder Softcover oder in Plastik gebunden, wie Am liebsten mag ich Monster. Diese “am Stück Variante” wird dann gerne als Graphic Novell bezeichnet, wobei ich bisher nicht so recht erlebt habe, dass eine franko-belgische Version so benannt wurde. Auch die Leserichtung mag variieren, aber nicht nur das macht einen Manga aus. Heft, Buch, Album, fester oder weicher Einband, quadratisch, längst, A5 oder A4, an solchen Äußerlichkeiten lässt sich ein Comic nicht festmachen.

 

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