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Gift

Das Grauen in Bremen

Eine ältere Schriftstellerin und ihre junge Begleitung sind auf dem Weg nach Hamburg zu einem Termin mit einem Verlag, der die Lebenserinnerungen der Schriftstellerin veröffentlichen möchte. Auf Grund eines Unfalls muss der Zug über Bremen umgeleitet werden. Die unvermittelte Begegnung mit Bremen löst bei der Schriftstellerin ein Flashback aus, war sie doch zuletzt im April 1831 dort gewesen. So berichtet Sie ihrer Begleiterin von der Zeit, als sie jung und erst kurz zuvor ihr erstes Werk veröffentlicht worden war. Anschließend stand sie im Vertrag mit Brockhaus, der bereit war eine Novellensammlung von ihr zu veröffentlichen, wenn sie einen Reisebericht über Bremen anfertigt. So kam damals die junge Schriftstellerin drei Jahre nach der Verhaftung und am Vortag der Hinrichtung von Gesche Gottfried alleine in Bremen an.

Gesche Gottfried

Gesche Gottfried ist bis heute die deutsche Serienmörderin mit den meisten Morden. Sie hat über die Jahre 15 Personen getötet und mindesten 19 weitere ohne Todesfolge vergiftet. Dafür nutzte sie Mäusebutter, Schmalz mit Arsen versetzt, das als Rattengift in der Apotheke in dieser Form zu kaufen war. Opfer wurde vor allem ihr näheres Umfeld, so hat sie nicht nur Nachbarn, enge Freunde, ihre Verlobten und zwei ihrer Ehemänner getötet, sondern auch ihre eigenen Eltern sowie ihre drei Kinder. Zwar war bekannt, dass in ihrem Haus oft Leute erkrankten, aber sie war auch als Wohltäterin bekannt, die sich um die Armen kümmerte und Kranke aufopfernd pflegte. Die Hinrichtung von Gesche Gottfried war die letzte öffentliche Hinrichtung in Bremen.

Misstrauen

Nach einer beschwerlichen Anreise gelangt die junge namenlose Schriftstellerin in Bremen an. Sie freut sich über die liberale Stadt berichten zu dürfen, bis sie die Vorbereitungen für eine Hinrichtung mit Grauen bemerkt. Zufällig wird sie Zeugin eines Gespräches des Pastors der Domgemeinde über die bevorstehende Hinrichtung und erkundigt sich bei ihm über das Ereignis. Auch wenn der Pastor nicht so recht glaubt, dass man ein Frauenzimmer damit beauftragt, eine Reisebeschreibung zu verfassen, berichtet er ihr dennoch, dass er Gesche in Haft christlichen Bestand leisten sollte und er sich nicht sicher war, ob er dem gewachsen sei.

Von nun an glaubt ihr keiner mehr, dass sie einen Reisebericht verfassen soll, sondern sie ein Buch über Gesche schreiben will. Der Verteidiger, Dr. Voget, hat selbst erst kürzlich ein Buch über den Fall veröffentlicht, mit Auszügen aus den Vernehmungsprotokollen und erbittet ein Gespräch mit der Schriftstellerin. Er berichtet zwar offen über den Fall aber unterstellt der jungen Schriftstellerin allerhand. Von nun an folgt ihr eine Woge des Misstrauens. Zum Schluss fragt sie sich, ob sich auch Gesche in der von Männern beherrschten Welt wie von riesigen Mahlsteinen zerrieben gefühlt hat. Ist dies der Grund warum sie selbst schreibt und Gesche zu morden anfing?

Aus Bremen

Zu den Streifzügen durch Bremen gibt es immer wieder unglaubliche Bilder vom historischen Stadtkern. Barbara Yelin hat den gesamten Comic in Bleistift gearbeitet und erzeugt durch Schraffuren eine drückende Stimmung. Peer Meter ist nicht nur gebürtiger Bremer, sondern hat sich eingehend mit den Fallakten der Gesche Gottfried beschäftigt. Es gibt immer wieder Zitate aus den Protokollen, die tief in Gesches Innerstes blicken lassen. Besonders hängen geblieben sind mir diese zwei Zitate:

“Mir war gar nicht schlimm dabei zu mute. Ich konnte die Mäusebutter ohne die mindesten Gewissensbisse und mit völliger Seelenruhe geben. Es war mir als wenn eine innere Stimme mir sagte, ich müsse es tun.”

“Denn alleine der Gedanke, wieder Gift zu haben, machte mich so besonders zufrieden, was ich mir selbst nicht erklären kann.”

Sieben Monate nach dem Comic hat Peer Meter ein Buch über den Fall Gesche Gottfried veröffentlicht. Weitere Serienmörder hat er ebenfalls in Comicform beleuchtet.

Comics für Einsteiger

Auch für Comic-EinsteigerGift ist eine historische Erzählung über einen realen Kriminalfall. Wen diese Thematik interessiert, der hat mit Gift den perfekten Einsteigercomic. Die Geschichte ist in sich abgeschlossen und die Panelführung absolut klar. Vorkenntnisse werden nicht benötigt, auch wenn der Comic noch fesselnder ist, wenn man die Schauplätze kennt.

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Gift, ReproduktGift

Szenario: Peer Meter
Zeichnungen: Barbara Yelin
200 Seiten, schwarzweiß
ISBN 978-3-941099-41-8
Erschienen am 01.03.2010
bei Reprodukt

Der Comic wurde von mir selbst erworben. Meine Meinung wurde nicht beeinflusst.

 

 

Gift wurde zuerst besprochen in unserem Podcast
3 Frauen. n Comics. Der Comicklatsch Folge 6