Miss October +Rezension+

Miss October – Gesamtausgabe

Lynn kommt aus gutem Hause, hat einen reichen Vater, sieht gut aus und hat ein Faible für Kunst. Durch einen Unfall hat sie ihr Gehör verloren. Sie kann sich nicht mehr genau an den Tag erinnern, aber seit sie wieder aufgewacht, ist ihr ihre Welt still. Dies hält sie allerdings nicht davon ab, aus purem Vergnügen einzubrechen und Kunstwerke zu stehlen. Gleichzeitig macht ein Serienkiller das Los Angeles der 1960er Jahre unsicher. Schöne Frauen werden zum Opfer, durch viele Wunden entstellt, vergewaltigt, getötet und dann blutüberströmt in sexy Posen hergerichtet und abgelichtet.

Jeder hat ein Geheimnis

Die Gesamtausgabe umfasst alle vier Geschichten zur Miss October, voller Sex, Intrigen, Politik, Polizisten, die eigene Ziel verfolgen, ehemalige Prostituierte, Geld, Blut und ein paar recht explizite Szenen. Hatte ich schon Sex erwähnt? Zu Beginn scheint mir das eine sehr zentrale Rolle zu spielen und dient hier wohl als Analogie zu „hat Dreck am Stecken“ und wirklich jeder hat hier eine dunkle Seite und/oder Geheimnis.

Durch die vielen Intrigen und Verknüpfungen wird diese Geschichte definitiv nicht langweilig. Zwar dauert es eine Weile, bis die Verbindung zwischen Lynn und den Morden hergestellt wird, aber bis dahin unterhalten uns der Konkurrenzkampf untern den Polizisten und die Suche von Lynn, was damals wirklich passiert ist, als sie ihr Gehör verloren hat. Verschiedene Handlungsstränge laufen parallel und treffen schlussendlich aufeinander, dabei erwartet euch nicht wenig Text.

Sexy Autos, sexy Frauen, nicht so sexy Männer. Auch mit einem Blick über die Sexiness hinweg schaut der Comic einfach gut aus. Körpersprache und kleine Gesten werden in diesem Krimi jenseits von Schwarz und Weiß nicht ausgelassen, in dem nach und nach alle Geheimnisse gelüftet werden. Brutale Morde, eine gehörlose Diebin, eine Privatermittlerin mit dunkler Vergangenheit und Polizisten mit eigener Agenda. Wenn euch diese Kombination anspricht, dann ist das Setting womöglich auch für euch das Sahnehäubchen. Klar würde ich nicht mit einer offenen, wallenden Mähne Lichtschranken überwinden, aber abgesehen von ein paar kleinen Makeln, bietet Miss October eine spannende Unterhaltung.

Miss October ist nicht ganz Hard Boiled und nicht richtig Noir, aber für Crimefans mit Blut- und Sex-Anteil durchaus lesens- und sehenswert.

Miss October ...

… kennt kein Gut und Böse, sondern nur Grautöne.
… ist sexy, blutig und toll gezeichnet.
… bietet eine spannende Lektüre für Krimiliebhaber.

Miss October – Gesamtausgabe

Szenario: Stephen Desberg
Zeichnungen: Alain Queireix
Farben: Kattrin
Hardcover mit 192 Seiten
ISBN: 978-3-96582-107-1
Erschienen am: 05.10.2022
bei Schreiber & Leser

Der Comic wurde mir als kostenfreies Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Meine Meinung ist dadurch nicht beeinflusst.

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© Schreiber & Leser

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