Supervulkan und SciFi

Am Freitag habe ich euch bereits den Comic Yellowstone von Philipp Spreckels und David Scheffel-Runte auf meinem Blog vorgestellt. Die Schöpfer des Comics, Philipp und Dave, waren so nett, mir ein paar Fragen zu beantworten. Ich musste einfach wissen, ob der Running Gag zum Fahrstuhlfahren einen Hintergrund hat und warum in einer futuristischen Welt ein bereits jetzt überholtes Speichermedium so eine wichtige Rolle spielt. Vielleicht sind mir die beiden nach dem Interview sogar noch sympathischer als vorher. Mit Joann Sfar Fans arbeite ich doch immer gerne zusammen.

Damit es nicht zu deutsch aussieht

Ariane: Hallo ihr zwei. Es freut mich, dass ich euch ein paar Fragen stellen darf:
Ich hatte irgendwo gelesen, dass ihr 3 Jahre für den Comic gebraucht habt. War Yellowstone euer erster Comic?

Philipp: Sogar etwas mehr. Wir haben 2016 angefangen, konkret zu schreiben und zu zeichnen. Ein paar Ideen dazu sind bei mir aber schon vorher entstanden. Yellowstone ist mein erster Comic. Dave hat vorher schon als Bachelor Thesis einen Comic gezeichnet. Also sein Zweitwerk.

Ariane: Warum habt ihr euch für eine Diskette entschieden, obwohl der Rest so nach High Tech aussieht?

Dave: Wir wollten den Retrocharme von damaligen SciFi-Filmen bewahren. Filme wie Blade Runner kommen aus den Achtzigern, genauso wie prägende Geschichten wie Zurück in die Zukunft, die haben diesen Charme. Ich glaube, wäre die Disk zu neumodisch, dann wäre sie auch nicht für den Leser so nostalgisch-anhänglich. Der Bezug zur Realität würde flöten gehen.

Philipp: Und es hatte auch ganz praktische Gründe: Wir brauchten – wie viele Geschichten – ein physisches Artefakt, auf das sich die Ängste und Hoffnungen der Figuren richten.  

Ariane: Ist es geplant gewesen, dass Hautfarben nicht unterschieden werden können oder ist es als Teil des Artwork entstanden?

Dave: Die Farben für die Charaktere sind inspiriert durch die Farben der Saltpits in Yellowstone, allerdings sind sie auch Wiedererkennungswert und Merkmal auf den Seiten. Aber ja, der Comic ist bewusst nicht in den üblichen Farben. Dem Leser sollten noch genug Platz für Eigeninterpretation bleiben. Auch damit der Leser sich, ähnlich wie bei einem Buch, selbst in den Figuren erkennt. Denn Noah ist ja Afroamerikaner, aber wir zeigen es nicht, zumindest nicht mit erhobenen Zeigefinger. Gleich, aber trotzdem verschieden, wie wir Menschen in der “Wirklichkeit”.

Ariane: Haben die Aufzug-Witze im Comic einen Hintergrund?

Philipp: Meinst du die Witze in Kapitel 2 bei der City Hall und im Treppenhaus Kapitel 6? Wenn ja, dann ist das eher Zufall. Wir haben versucht, hier und da etwas Situationskomik einfließen zu lassen, damit die Charaktere nicht ganz so bierernst daher kommen.  

Dave: Und Noah ist eher der, naja wie kann man es schmeichelnd beschreiben; der Gemütliche.

Ariane: Genau diese beiden Witze meinte ich. Lest ihr Comics?

Dave: In letzter Zeit zu meiner Schande leider sehr, sehr selten. Ich bin froh, dass ich weg von den Superhelden Comics gekommen bin, viel zu viel 08/15. Geschichten wie Scott Pilgrim, Seconds oder SnotGirl von Brian Lee O’Malley haben es mir angetan. Oder zuletzt aktiv gelesen habe ich PaperGirls, die haben frischen Wind in die Comic-Landschaft gebracht.

Philipp: Ich hatte gerade „Vatermilch“ von Uli Oesterle in der Hand und bin ansonsten ein großer Fan von Joann Sfar (Katze des Rabbiners, Donjon). Als ich noch in Münster gewohnt habe, hatte ich mit ein paar Freunden sogar einen Comic-Lesekreis.  

Ariane: Haben die Comics eure Arbeit beeinflusst oder gab es andere Einflüsse?

Philipp: Es gibt schon ein paar Einflüsse. Aber beim Schreiben habe ich für das Funktionieren von Szenen und Handlungssträngen eher an Filmen orientiert, die mit dem Aufdecken von Verschwörungen spielen.

Dave: Viel war bei mir aus Film und Büchern. Ich hatte, bevor der Film ins Kino kam, Ready Player One verschlungen, aber auch diverse Indiefilme in Richtung SciFi haben dazu beigetragen, wie sich Yellowstone anfühlen soll.

Ariane: Wo oder wie arbeitet ihr am liebsten? 

Philipp: Frühmorgens. Nach einem langen Tag am Bildschirm fällt es mir schwer, dann auch noch privat den Laptop aufzuklappen und kreativ zu sein. Deswegen bin ich eher die Sorte Frühaufsteher, die morgens vor der Arbeit beim Frühstück und einem heißen Kaffee schreibt. Ideen können aber immer und überall kommen – gerne auch im Halbschlaf. Dann wandern sie in eines meiner physischen Notizbücher.

Dave: Einen richtigen Arbeitsplatz habe ich schon seit meines Studiums nicht mehr. Da musste des Öfteren der Schreibtisch meiner Freundin/Frau herhalten. Rein technisch komme ich eigentlich aus dem Händischen, also Comics zeichnen direkt auf dem Papier, noch mit echten Stiften, herumschmieren und so weiter. Aber um konstant im Stil und im “Strich” zu bleiben bin ich recht früh auf “rein” digital umgestiegen. Natürlich ist es dadurch schade, nichts Reales als “Making Of Material” zu haben, aber die Zeiteffizient ist es umso besser.

Ariane: Dave, wie würdest du deinen Zeichenstil bezeichnen?

Dave: Ich lasse mich oft und schnell beeinflussen, in diesem Fall sollte es dynamisch, nicht zu real und nicht zu Deutsch aussehen.

Ariane: Ihr habt bereits einige Interviews gegeben. Was ist die Frage, die euch bisher am häufigsten gestellt wurde?

Philipp: Wir haben nicht mitgezählt. Aber am frühesten kommen immer Fragen nach der Kolorierung – da sie für den deutschen Comicmarkt recht unüblich ist und danach, inwiefern wir mit dem Comic die aktuelle Trump-Situation in Amerika kommentieren. Wobei letzteres ein Missverständnis ist. Als ich damals die Geschichte für Yellowstone geschrieben habe, war Trump noch gar nicht Thema. Da waren noch Obama und Edward Snowden aktuell. Und an eine Pandemie hat damals noch niemand gedacht.

Dave: Tatsächlich: Warum Yellowstone, also Amerika und nicht irgendwo in Deutschland. 

Um ehrlich zu sein, deutsch als Ort kann schnell zum Cringefest werden. Man stelle sich vor Bernd (Noah) rettet Deutschland, weil er beim Bäcker Kruse an Informationen über eine mögliche Verschwörung in der Eifel gestoßen ist. Also nicht er ein Ticket der DB und fährt von Hamburg in die Eifel….(gähn).

Ariane: Mir sind die englischen Texte im Anhang aufgefallen. Kommt da noch was?

Philipp: Die kommen noch aus der Phase, als wir den Comic vor verschiedenen Verlagen gepitcht haben. Wir haben uns damals gedacht – wenn schon eine Story in Amerika, warum dann nicht gleich auch ein amerikanischer Verlag? Schlussendlich sind wir aber doch bei einem deutschen Independent Verlag – Zwerchfell – gelandet und auch froh darüber. Zwerchfell hat uns komplette kreative Freiheit gelassen.

Dave: Da kommt noch was, Philipp arbeitet gerade an einem Mini Spinoff, aber als Pen und Paper, in dem man die Vorgeschichte zum Comic erleben kann.

Aber ja, viele Fragen sind sicherlich offen, vieles kann man noch weiter erzählen und so weiter. Aber erstmal schauen, ob den Leuten was sie lesen und sehen überhaupt gefällt. Ich hätte nichts gegen weiter Erzählweisen, ich bin riesen Hörspielfan, also wenn jemand Interesse hat, wir haben da noch Material.

Ariane: Ich danke euch sehr für eure Antworten und habe mir eine direkte Frage “Warum Yellowstone?” gespart, da ich selbst fasziniert von dem Supervulkan bin, ist für mich die Antwort “Weil es geht und cool ist” absolut logisch.

Philipp: 🙂 Da sind wir ganz deiner Meinung.

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Yellowstone

Story und Text: Philipp Spreckels
Artwork: David Scheffel-Runte
Hardcover mit 144 Seiten
ISBN: 978-3-9435475-3-5
Erschienen im September 2020
beim Zwerchfell Verlag

Der Comic wurde mir als kostenfreies Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Meine Meinung ist dadurch nicht beeinflusst.

Yellowstone, Zwerchfell
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