Eine Geschichte, ein Film und ein Comic

Im Jahr 1958 veröffentlichte Stefan Wul seine Geschichte um den Waisenjungen Claude. 1982 wurde diese Geschichte als Zeichentrickfilm Herrscher der Zeit unter Mitwirkung von Moebius kindgerecht adaptiert. 2020 erschien der Comic Die Waise von Perdida beim Splitter Verlag in einer deutlich weniger kindgerechten Adaption. Das Buch kenne ich leider nur aus einer Zusammenfassung, aber Film und Comic habe ich mir in voller Länge gegönnt.

Zusammenfassung: Die Eltern eines Kindes fallen auf Perdida Riesen-Hornissen zum Opfer, können Claude/Claudi/Piel vorübergehend in Sicherheit bringen. Ein alter Freund Max/Jaffar wird kontaktiert, der das Kind retten soll. Die Kommunikation zum Kind läuft über ein eiförmiges Gerät, dass der Junge als “Person” ansieht. Der alte Freund eilt mit dem Ortskundigen Silbad und zwei weiteren Passagieren, Marin und Belle, dem Kind zur Rettung. Dabei finden Zwischenstopps auf Devils Ball und Gamma 10 statt, bevor Perdida erreicht wird.

Herrscher der Zeit

Die DVD zu Herrscher der Zeit habe ich von Michael von Phantastische Antike geschenkt bekommen. Der Film ist FSK 6 und einfach unendlich charmant, da er mich in meine Kindheit zurückversetzt. Die Haare, die Gesichter, die Bewegungen und diese Landschaften von Moebius.

Der Film hält sich weitestgehend an die Vorlage von Wul, doch der Zwischenstopp auf Gamma 10 und das Schicksal eines Passagiers wird hier mystischer und weniger dramatisch verarbeitet. Die namensgebenden Herrscher der Zeit sind ebenfalls ein Stilmittel, um den finalen Plottwist kindgerechter zu beschreiben. Besonders bekannt dürfte der Film eben durch seine Anpassungen sein.

Nicht alle Namen wurden für den Film 1:1 übernommen und auch der Name des Filmes ist irreführend, denn die Geschichte dreht sich um die Personen, die dem Kind auf Perdida zur Rettung eilen. Die Geschichte wird etwas holprig erzählt und nicht alle Zusammenhänge werden klar. Martin und Belle sind hier wie in der Vorlage bereits an Bord des Raumschiffes, als Jaffar den Notruf vom Vater des Jungen erhält. Ebenfalls ist Silbad im Film, wie im Buch, ein alter Freund.

Die Waise von Perdida

Diesmal ist es die Mutter, die den Notruf absetzt und den Jungen Claudi in vorübergehende Sicherheit bringen kann. Max nimmt hier erst nach dem Notruf die Passagiere an Bord und sucht Hilfe bei dem ihn unbekannten Silbad. Auch hier scheint es zwischen Belle und Max zu knistern, während Martin zumindest etwas sympathischer rüberkommt. Auf Gamma 10 wird es allerdings alles andere als mystisch, sondern einfach nur brutal, blutig und spannend. Die Sprache ist insgesamt derber. Eine rassistische Beleidigung und ein misogyner Spruch wurden zwar übernommen, dabei wird aber der Mutter eine viel höhere Kompetenz zugestanden, als im Film.

Auch hier geht es hauptsächlich um die Retter von Claudi, aber hier ist auch Haustier Samy einer von Claudis Rettern und er ist so tapfer. Die Auflösung orientiert sich mehr an der des Buches und ist damit wesentlich komplexer als die des Filmes. Hier gibt es keine Herrscher der Zeit, sondern nur die Wissenschaft. Die Zusammenhänge sind im Comic deutlich klarer als im Film. Für mich eine stimmige Adaption, mit kleinen Anpassungen, für die Generation, die nun erwachsen ist und den Film als Kind gesehen hat. Doch auch ohne dieses nostalgische Gefühl, wird dem Leser wunderbare Science Fiction Unterhaltung geboten.

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Die Waise von Perdida

Adaption: Regis Hautière
Zeichnungen: Adrián
Hardcover mit 112 Seiten
ISBN: 978-3-96219-117-7
Erschienen am: 01.08.2020
beim Splitter Verlag

Der Comic wurde von mir selbst erworben. Meine Meinung wurde nicht beeinflusst.

Die Waise von Perdida
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