Vergiss mich nicht +Rezension+

Vergiss mich nicht

Vergiss mich nicht

Nur noch 103 Tage trennen die junge Clémence von der Aufnahmeprüfung an der Theaterschule. Doch ein Anruf ihrer Mutter reißt sie aus ihrem ruhigen Alltag. Ihre Omi ist nun schon zum dritten Mal aus dem Heim abgehauen. Es wird ihnen im Hein nahegelegt, Marie-Louise mit Medikamenten ruhig zu stellen. Doch für Clémence ist dieser Gedanke, dass ihre Oma in eine chemische Zwangsjacke gesteckt wird, kaum erträglich. Marie-Louise leidet an Alzheimer und die meiste Zeit ist sie in ihrem Kopf 20 Jahre alt und will zu ihren Eltern, denn die machen sich bestimmt schon Sorgen um sie. Am Folgetag besucht Clémence ihre Omi alleine im Heim. Ihr Zustand ist für sie unerträglich, so beschließt sie, mit ihrer Omi abzuhauen und zu ihrem Elternhaus zu fahren. Natürlich ist hier Ärger vorprogrammiert.

Emotionen und Selbsterkenntnis

Clémence ist zu einem großen Teil bei ihren Großeltern aufgewachsen, da ihrer Mutter alleinerziehend und Ärztin ist. Dadurch gibt es zwischen den beiden eine sehr innige Beziehung. Wie schwer die Situation auf Clémence lastet, zeigt sich durch ihr Fingernägelkauen und Abreißen der Nagelhäute. Als ihre Omi sie zum ersten Mal nicht mehr erkennt, wird sie schier vom Schmerz übermannt. Doch nichts kann sie davon abhalten sich liebevoll, um ihre Großmutter zu kümmern.

Vergiss mich nicht ist einer der emotionalsten Comics, die ich gelesen habe. Ständig kamen mir die Tränen. Doch hier geht es nicht nur um das Älterwerden und dem Verlust von Erinnerungen, auch Clémence muss sich mit ihrer Beziehung zur Mutter und Oma auseinandersetzten, und vor allem mit sich selbst. Es ist an der Zeit sich selbst zu akzeptieren. Daher gehen immer wieder Rückblicke auf ihre Vergangenheit, Erinnerungen an die Kindheit und die erste Liebe.

Die Geschichte ist voll von weichen gefühlvollen Zeichnungen. Erinnerungen in Grautönen und ein sanftes Rot, das Vergangenheit und Gegenwart verbindet. Ob Humor, Spaß, Liebe, Angst oder Trauen, den Emotionen wird hier viel Platz eingeräumt und an den richtigen Stellen wird auf Worte verzichtet und die Bilder sprechen für sich selbst. Vielleicht findet sich hier sogar die schönste Darstellung von Sex in einem Comic, abstrakt und ergreifend.

Vergiss mich nicht ist ein Roadtrip durch Belgien mit Oma und Enkelin und gleichzeitig ein Selbstfindungstrip für eine junge Frau.

Vergiss mich nicht ...

… lässt nur die kältesten Menschen ohne Gefühlsregungen zurück.
… verbindet einen Abschied mit einem Anfang.
… ist eine wunderbare Geschichte in weichen Zeichnungen erzählt.

Comics für Einsteiger
Auch für Comic-Einsteiger

Jugend, Alter, Queerness und Alzheimer. Wenn euch diese Themen interessieren, dann ist dieser hochemotionale Comic für euch womöglich ein guter Einstieg. Es werden keine Vorkenntnisse benötigt, um in diese abgeschlossenen Geschichte eintauchen zu können. Die Leserichtung ist leicht zu erkennen und nur selten werdet ihr mit größeren Textpassagen konfrontiert.

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Vergiss mich nicht

Szenario und Zeichnungen: Alix Garin
Hardcover mit 224 Seiten
ISBN: 978-3-96792-148-9
Erschienen am: 20.10.2021
beim Splitter Verlag

Der Comic wurde mir als kostenfreies Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Meine Meinung ist dadurch nicht beeinflusst.

© Splitter Verlag

Leseprobe über Izneo:

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