Sommerloch-Bingo 2022 +Kurzrezensionen+

SommerlochBingoRezi

Kurzrezensionen
zum Sommerloch-Bingo 2022

Einige Comics wurden gelesen und der Lesestapel ist ein bisschen kleiner geworden. Ok, vielleicht ist er auch schon längst wieder angewachsen. Damit es zu den gelesenen Comics auch ein wenig Feedback für euch gibt, habe ich mich entschieden, Kurzrezensionen zu schreiben. Zu jedem Comic aus dem Sommerloch-Bingo 2022 gibt es hier ein ganz kurzes Feedback.

Karmen

Liebeskummer, Selbstmord und eine aufgeweckte junge Frau namens Karmen, die Catalina umsorgt. Karmens Skelett-Outfit irritiert Cata zwar, aber noch merkwürdiger ist es, ihr Handy nicht greifen und sich nicht im Spiegel sehen zu können. Zusammen ziehen sie los, quer durch Palma de Mallorca. Karmen ist ein Comic, der in Europa spielt, sich mit einem starken Gefühl beschäftigt und eine nichtmenschliche Protagonistin hat.

Wie schön, einfach einen realistischen weiblichen Körper zu sehen. Klar ist sie schlank, aber sie hat ihre kleinen Extrarundungen. Filmvergleiche, die hinken, weil sie nicht auf die Namen der Schauspieler kommen, machen es wundervoll echt. Immer wieder ziehen sich Erinnerungsfetzen durch die Bilder, Karmen ist laut und ihr Lachen nimmt auch optisch viel Platz ein. Bilder geraten immer wieder in eine Schieflage, wodurch mit den Dimensionen gespielt wird. Es sieht grandios aus, ist ein wenig abgedreht und ich habe so einige Tränen vergossen.

Origins

Die Welt wurde durch eine KI übernommen. Ihre Nanotechnologie sorgte dafür, dass es für die Menschen keine Nahrung mehr gab. Viele hundert Jahre später schafft es ein Android, ein Baby künstlich zu erzeugen. Dieser Mensch soll die Menschheit zurück auf die Erde bringen.

Infizierte Tiere, Pflanzen und feindliche Roboter stehen dem Ziel im Weg, erneut Menschen auf die Erde zu bringen. Chloe zieht das Baby zu einem Mann heran, bevor er seinen Kampf gegen die KI aufnehmen kann. Doch nicht alle Roboter wurden durch die KI übernommen und die vergangenen Jahrhunderte sind auch an den Maschinen nicht einfach vorbeigezogen. Eine spannende Dystopie, die oberflächlich an Terminator erinnert, aber inhaltlich nur sehr wenig damit zu tun hat.

Department of Truth

Wisst ihr, wie das auf der Scheibenwelt mit den Göttern funktioniert? Sie existieren nur, wenn genug Leute an sie glauben. Tja, in Department of Truth wird die Welt eine Scheibe sein, wenn nur genug Leute an eine Scheibenwelt glauben. Dies gilt auch für jede andere Verschwörungstheorie, sie werden real, sobald genug Leute daran glauben. Das Department of Truth ist dafür da, dass Verschwörungstheorien auch nur Verschwörungstheorien bleiben.

Der Zeichenstil ist etwas Besonders, ungewöhnlich, abgedreht, aber gleichzeitig nicht sehr detailliert. Immer wieder sehen wir Bilder durch schlechte, streifige Überwachungskameras. Durch die Bilder wird die Thematik weiter gespiegelt, wer spioniert wen aus und was ist eigentlich real. Das Lettering ist toll, Sprechblasen und Gedankenprotokolle unterscheiden sich deutlich voneinander. Dabei sind die Sprechblasen so außergewöhnlich gestaltet, wie das Artwork und doch simpel genug, um die Texte gut lesen zu können. Sehr fesselnd und voll in die Verschwörungstheorien abtauchend.

Shadecraft

Ich fange endlich an, die US-Hefte zu lesen, wenn das deutsche Hardcover frisch erschienen ist. In Shadecraft hat Zadie Angst vor ihrem eigenen Schatten. Kein Wunder, denn dieser greift sie an. Warum es hier lebende Schatten gibt und was Shadecraft ist, wird erst im dritten Heft erklärt.

Shadecraft beginnt mit der Geschichte um die Außenseiterin Zadie. Sie hat nur wenige Freunde und ihr Bruder, eines der beliebten Kinder, liegt seit einem Jahr im Koma. Was sehr gefühlsbetont anfängt, schlägt plötzlich in actiongeladenes Popcorn-Kino um. Ein bisschen trauere ich dem verschenkten Potenzial hinterher, aber trotzdem wurde ich gut unterhalten und die Idee um Shadecraft ist richtig gut. Die gelesenen fünf Hefte entsprechen dem ersten Trade bzw. deutschem Album und es riecht nach einer Fortsetzung, die ich mir auch sofort kaufen würde.

Daisy

Engel, Gott, Nephilim. Daisy grätscht mitten ins Christentum und das durchaus alttestamentarisch. Schnell fließt das erste Blut und im zweiten Heft wird es ekelig und brutal. Ok, damit ist Daisy dann nicht mehr so außerhalb meiner Komfortzone, wie ich es in die Bingokategorien gesetzt hatte. Daisys Anblick ist zugleich beängstigend als auch bemitleidenswert. Sie ist eine Riesin, die offensichtlich an den Folgen ihres Riesenwuchses leidet.

An einigen Stellen mag das Artwork zwar schlicht wirken, aber neben einigen wirkungsvollen Effekten werden auch Kontraste großartig genutzt. In der zweiten Hälfte passiert so viel, einiges sieht so gut aus, anderes wahnsinnig ekelig, Bildsprache wird geschickt eingesetzt und ein paar Sachen sehen episch aus. Ich wäre das Artwork somit mal sehr gelungen nennen. Ein toller biblischer Horror-Titel, der durchaus bildgewaltig ist und ein schönes Maß an ekeligen Bildern hat.

The Me You Love in the Dark

Eine Künstlerin, die Abgeschiedenheit und Inspiration für ihre neuen Werke sucht, landet in einem Haus, das verflucht sein soll. Anfangs redet sie aus Spaß mit dem Geist, irgendwann antwortet er ihr und sie verlieben sich. Es folgt eine romantisch toxische Liebesbeziehung mit etwas sehr, sehr Altem, das Probleme hat Menschen zu verstehen.

Ro und ihr Blick auf ihren übernatürlichen Mitbewohner sehen wir auf ihren Bildern. In den Panels zeigt sich wiederum sein wahres Antlitz. Anfangs ist er nur ein Schatten, doch im Laufe der Geschichte wird er immer deutlicher zu erkennen. Ein schönes Stilmittel ist auch die wabernde Musik, die auch auf dem Cover des dritten Heftes zu sehen ist. Ros Alltag und wie er sich ändert, es ist wirklich toll dargestellt. Ein schönes Stück Horror.

BRZRKR

Keanu Reeves und Matt Kindt haben den Comic zusammen geschrieben und Ron Garney eröffnet es mit einem Splatter-Festival, während ganz in Ruhe nebenbei die Storyline eingeführt wird. Ein Mann, unsterblich und sehr alt, auf der Suche nach der Sterblichkeit. Er will nicht sterben, aber ich will die Möglichkeit zu sterben. Die Leute, die ihm dabei helfen, setzen ihn als brutale, tödliche Waffe ein. Doch war B jemals mehr als das?

Die ersten vier Hefte setzen einen klaren Fokus auf die Herkunft von B. Seine Origin wird quasi in Interviews erzählt. Manchmal sehen wir diese Interviews, manchmal aktuelle Aufträge, aber meistens sind es die Bilder aus seiner Vergangenheit. Wie er geworden wurde, seine Eltern und wie er sich sehenden Auges einer Organisation ausliefert, die ihn vermutlich nur klonen will. Ab Heft 5 tauchen wir tiefer in die Geschichte von B ein, seine Verluste, sein Trauma und hier und da wird es sogar etwas tiefgründiger.

A Man’s Skin

Willkommen in der Renaissance in Italien. Biancas Heirat wurde soeben erfolgreich verhandelt. Sie hat Glück, ihr Künftiger ist kaum älter als sie und doch hat sie den großen Wunsch, ihn bereits vor der Heirat kennenzulernen. Die Familie ihrer Patentante hat ein Geheimnis, sie besitzen die Haut eines Mannes, mit der sie als Mann unter Männern wandeln kann. Es geht um Rollenbilder, Sozialkritik, aber auch den Körper des andern Geschlechts entdecken.

Wow, ich hatte nicht erwartet, dass der Comic so tief geht. Der Klappentext kratzt nur an der Oberfläche zu Moralvorstellungen, Sexualität, Religion, Geschlechterrollen und so viel mehr. Wie die Geschichte sich entwickelt, möchte ich euch nicht vorwegnehmen. Ich war immer wieder überrascht und beeindruckt. Am Ende kann ich nur sagen, dass ich Bianca sehr schätze und liebe. Holt euch den Comic, sobald er bei Reprodukt erscheint. Sie haben sich was ganz Tolles an Land gezogen.

Deep Beyond

2085 und die Menschheit hat die Erde mal wieder klein bekommen. Diesmal sind wir nicht ins All geflüchtet, sondern haben abgeschottete Kolonien auf der Erde. Die Außenwelt, Wasser, Luft, alles ist toxisch und dazu gibt es noch Fanatiker, die die Überlebenden töten wollen. Expeditionen werden dennoch regelmäßig in die Außenwelt entstand. Eine davon, ein U-Boot, verschwindet, doch ein letzter Notruf wurde abgesetzt.

In dieser dystopischen Zukunft gibt es über und unter Wasser einige großartige Monster, politische Intrigen, aber leider auch ein paar Inkonsistenzen. Ich bin definitiv nicht da gelandet, wo ich am Anfang vermutet hätte. Die Geschichte geht schnell und spannend los, bekommt aber ihre Längen und bedauerlicherweise auch ein paar Probleme. Für mich war gegen Ende einfach die Luft raus und die Geschichte nur noch wenig überraschend und schnell zu Ende gebracht.

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