Mit leeren Augen +Rezension+

Mit leeren Augen

In Europa tobt der Erste Weltkrieg, die Ressourcen sind knapp. In einem abgelegenen Waisenhaus versuchen drei Kinder zu überleben. Maurice ist das einzig überlebende Kind der Hausleitung und die Geschwister Ofelia und Otto die letzten Waisenkinder. Maurice hält an der Hierarchie fest, er gibt den Ton an und er mag es nicht, angesehen zu werden.

Ich tue das für euch und für das Waisenhaus. Und übrigens ein bisschen Dankbarkeit wäre wohl angemessen, oder?

Maurice in „Mit leeren Augen“, Splitter Verlag

Das Lächeln im Schatten

Wenn der Splitter Verlag mal einen Horror Comic rausbringt und auch noch ab 18 draufschreibt, dann kann ich quasi nicht daran vorbei. Otto und Ofelia scheinen sehr unter dem Krieg und dem Tod ihrer Freunde zu leiden. Maurice dagegen ist eher praktisch veranlagt. Er lässt die Geschwister die Drecksarbeit für sich verrichten. Geschützt mit Gasmasken begeben sie sich auf die Suche nach Überlebenden, um diese zu Maurice zu bringen. Als Schlachter, Küchenchef und Augensammler ist er für die regelmäßigen Mahlzeiten verantwortlich.

Wenn euch dieses Schauerszenario noch nicht reicht, dann wartet mal ab, wie die Kinder untergebracht sind. Ofelia hat sich schon aufgegeben, nur Otto hat noch Angst, besonders vor dem Raum, in dem die Puppen der verstorbenen Waisenkinder aufbewahrt werden. Hier erwartet und nach dem Kannibalismus auch noch Puppenhorror vom Feinsten und das ab vom Chucky-Klischee. Die Gesichter der Kinder erzählen mehr über ihr Leben als sie selbst.

Die Zeichnungen wirken so nett und lieblich, obwohl die Gasmasken der Kinder eigentlich verstörend wirken müssten, wirken sie noch ganz putzig mit den riesigen Dingern auf dem Kopf. Doch schon ein paar Seiten später fließt das erste Blut. Dabei wird zum ersten Mal Foreshadowing sehr geschickt eingesetzt. Nach dem ersten Blut wird klar, dass wir uns von den Bildern nicht täuschen lassen dürfen. Die weichen pastelligen Farben mildern den Horror vielleicht ab, doch ist dieser da und wird uns von nun an direkt unter die Nase gehalten.

Die Geschichte ist eine Mischung aus Kriegstrauma, Überlebenden einer Epidemie, Kannibalismus und gruseligen beschädigten Porzellanpuppen. Dazu kommt noch Maurice, der sicher auch schon vor dem Krieg kein Musterknabe war. Hier spielen so viele Elemente hinein und werden erzählerisch und optisch geschickt miteinander verwoben. Blanker Horror für Leute mit Puppenphobie, doch vor allem ist dieser Comic grausam und traurig.

Mit leeren Augen kombiniert verschiedene Horror-Komponenten und schafft es dabei, den Klischee-Fallen zu entgehen. Trotz der sanften Bilder ist dieser Comic vor allem ekelig und bedrückend. Für mich eine sehr stimmige Komposition.

Mit leeren Augen ...

… ist eine bedrückende Horror-Geschichte mit Blut, Ekel und Puppen.
… verbindet gekonnt Sanftes, Dunkles und Blutiges in den Bildern.
… sorgt für einen flauen Magen.

Comics für Einsteiger
Auch für Comic-Einsteiger

Ihr mögt Horror, habt kein Problem mit Kindern als Protagonisten und könnt sanftere Bilder in diesem Zusammenspiel akzeptieren? Dann bietet euch Mit leeren Augen einen bedrückenden Einstieg in die Welt der Comics. Die Geschichte ist in sich abgeschlossen und die Leserichtung lässt sich leicht erfassen. Menschenfleisch und Puppen sollten euch allerdings nicht abschrecken.

Mit leeren Augen

Szenario: Diego Agrimbau
Zeichnungen: Juan Manuel Tumburus
Hardcover mit 80 Seiten
ISBN: 978-3-98721-041-9
Erschienen am: 22.03.2023
beim Splitter Verlag

Der Comic wurde mir als kostenfreies Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Meine Meinung ist dadurch nicht beeinflusst.

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© Splitter Verlag

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