Die Geister von La Spezia +Rezension+
Die Geister von La Spezia
Pat klopft an die Tür von Mary Shelley, unter einem Vorwand möchte sie eine Gedankenreise in Marys Verstand vornehmen. Dies verlangt Mary jedoch kurz nach dem Tod ihres Mannes und so vieler weiterer Verluste in ihrem Leben nicht leicht. Wer Blickt schon gerne auf die schlimmsten Momente im Leben zurück, doch Pat schafft sie zu überzeugen, sicherlich auch durch die fantastische Technologie, die Mary neugierig macht.
Beim Lesen gingen mir so viele Gedanken und Verbindungen durch den Kopf, dass ich nur hoffen kann, dass in dem nachfolgenden Text meine Erfahrung und Gefühle halbwegs geordnet wiedergeben kann.
Das Leben und Leiden von Mary Shelley
Der erste Teil des Romans befasst sich mit dem Künstlerkollektiv in Pisa. Durch ihre Technologie wird Pat, die durch Marys Gedanken reist, ein Teil davon und erlebt mehr Tiefen als Höhen. Auch Byrons Tochter Ada wird kurz angesprochen, die als erste ein Computerprogramm schreiben wird, lange bevor es Computer gibt. Es ist wirklich faszinierend, wie oft die Künstler die Wissenschaft ablehnen und sich lieber mit Gedichten befassen, während Mary eher bereit ist, Professor Vacca über den Galvanismus zu lauschen.
Besonders bewegt mich die Vorstellung, wie schwer es für Mary gewesen sein muss, über ihre Schwester zu sprechen, die daran zerbrach, von Byron und der gemeinsamen Tochter Allegra getrennt worden zu sein. Von hier aus sind es nur noch kleine Schritte zum Tod von Allegra und auch zu den Kindern, die Mary Shelley selbst verloren hat. Ebenfalls werden wir Marys Freundin „Mrs Mason” treffen. Margaret King wurde schon in jungen Jahren von der berühmten Frauenrechtlerin Mary Wollstonecraft, Mary Shelleys Mutter, beeinflusst.
Margaret King studierte in Jena Medizin, verkleidet als Mann. Ihr seht also: Die Wissenschaft fasziniert in diesem Freundeskreis die Frauen, während sich die Männer um die schönen Worte kümmern. Kein Wunder also, dass Pat die wissenschaftlich interessierte Mary davon überzeugen konnte, sich eine verkabelte Haube aufzusetzen, um in ihren Gedanken spazieren zu gehen. All das, obwohl Pat die Versorgung durch den Schwiegervater als Vorwand ansprach. Hätte Mary nicht mit dem Tod von Percy Bysshe Shelley zu tun, so würde er künftig für ihren Unterhalt und das Kind aufkommen.
Neben den Mitmenschen von Mary Shelley erfahren wir vor allem viel über das Leid, das sie ertragen musste. Die vielen Verluste, die sie durchleben musste: Freunde, Familie und Kinder. Wir erleben ihren Schmerz so intensiv mit, dass es mir selbst wehtut. Es geht hier viel mehr um Mary, was sie erlebt hat, was sie ertragen musste, aber auch um die Freunde und Bekanntschaften, die sie gemacht hat. Es sind große Persönlichkeiten, einige von ihnen sind heute noch bekannt, doch sie wurde damals als große Frau verkannt.
Für ihre Mitmenschen ist es selbstverständlich, dass ihr Mann eigensinnig ist, sich abgrenzt und alles dafür tut, seine Gedichte zu schreiben. Doch ihr Verhalten, als sie an „Frankenstein” arbeitete, wird ihr vorgehalten. Viele sehen nur ihren eigenen Schmerz und Mary als eine starke Frau, die mit allem zurechtkommt, die da ist, um sie zu unterstützen, oder die mitspielt, wenn ihr Mann andere unterstützt. Nur sie selbst scheint wenig Unterstützung zu erhalten, und doch steht sie ihre Frau. Obwohl sie manchmal unterkühlt wirkt, ist und bleibt sie eine bemerkenswerte Person, und dieses Buch setzt ihrer Person ein Denkmal.
Das Spukhaus von La Spezia und Pat, die die Geister daraus austreibt. An dieser Stelle des Buches wirken die Geister absolut lebendig. Manchmal glaube ich, Oliver Plaschka hängt mich mit diesen intelligenten Texten gnadenlos ab, und gleichzeitig bin ich fasziniert davon und will Schritt halten. Die Geisteraustreibung ist nur ein Beispiel. Ein anderes ist die Einstreuung der Figur des Prometheus. Dadurch wird auch hier eine Hommage an „Frankenstein oder der moderne Prometheus” eingebaut. Sogar die Erzählstruktur erinnert an Frankenstein. Auch hier wird durch eine dritte Person erzählt, die von den Geschehnissen Kenntnis erlangt.
Die Gedankenreise in die Geister von La Spezia hat mich regelrecht verschluckt, wie Percy Shelley vom Sturm überspült und in die Tiefe gezogen.
… greift immer wieder auf die Werke des Künstlerkollektivs zurück, vor allem auf Frankenstein.
… hat mich unheimlich fasziniert und gefesselt.
Die Geister von La Spezia
Szenario: Oliver Plaschka
Hardcover mit 416 Seiten
ISBN: 978-3-608-98885-7
Erschienen am: 14.03.2026
beim der Hobbit Presse
Das Buch wurde mir als kostenfreies Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Meine Meinung ist dadurch nicht beeinflusst.
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So eine kluge und treffende Rezension dieses wirklich sehr guten Buches. Es war mir eine Freude die Rezension zu lesen und weitere Erkenntnisse zu „Die Geister von La Spezia“ zu gewinnen.
Dankeschön, das freut mich