Precious Metal +Rezension+

Precious Metal

Precious Metal handelt von Max, einem modifizierten Tracker. Sein neuer Job ist wie immer: finden, abliefern, kassieren und keine Fragen stellen. Doch dieser Mod, den er finden soll, ist anders: ein Kind. Außerdem wurde an seinen Erinnerungen herummanipuliert. Vielleicht ist dieser Job seine Chance, seine verlorenen Erinnerungen zurückzubekommen.

Der Kampf um Freiheit beginnt – Von Mensch sein und Menschlichkeit

Regierungen, Widerstand, Todeskulte und christliche Religion. Dazwischen befindet sich ein modifiziertes Kind, das viel mehr kann, als Gedanken lesen, und alle sind hinter ihm her. Selina und Yoru helfen Max dabei, den Jungen zu finden. Beide solltet ihr nicht unterschätzen, denn sie sind sehr gut dazu in der Lage, auch alleine ein Blutbad anzurichten. Die Geschichte verschluckt mich regelrecht und ich kann mich an den gewaltigen Seiten einfach nicht sattsehen. Wie können Konflikte zwischen Religion, Menschlichkeit und dem Umgang mit vulnerablen Gruppen aus einem Science-Fiction-Comic auch heute so aktuell sein?

Der Comic ist bildgewaltig wie Little Bird, eine spektakuläre Inszenierung mit tollem Lettering. Erst durch die Bilder von Ian Bertram und die Farben von Matt Hollingsworth wird die Geschichte von Darcy van Poelgeest so unheimlich besonders. Verstörend und schön zugleich. Es ist eine faszinierende Welt mit vielen Details, die unheimlich ekelig wirken. Es gibt Tentakeln als Arme, ein Mobile aus Augen, aber auch Metallskulpturen und wunderschöne, alles verschlingende Wellen. Durch die Körnung wirken die Bilder irgendwie roher und schöner zugleich. Dieser Kontrast zwischen Schönheit und Schmutz zieht sich durch das gesamte Werk. Doch glaubt ja nicht, dass die Geschichte es nicht auch in sich hätte. 320 Seiten kreative, düstere und epische Science-Fiction für 35 Euro sind ein echtes Schnäppchen.

Ich habe Little Bird geliebt und auch dieses Prequel ist großartig. Wenn ich nicht ohnehin schon von der Geschichte und den Bildern vollkommen überzeugt und begeistert wäre, hätten mich diese Details wohl endgültig fasziniert. Der Träumer, der Abstieg in den Wahnsinn, die Kultisten und etwas Uraltes in der Erde, das sich im Grab dreht und die Augen öffnet, sind allesamt Lovecraft-Bezüge in der Geschichte. Vielleicht stammt Yoru sogar aus den Bergen des Wahnsinns. Ich muss den Comic für die Videoreihe Comics und Manga mit Lovecraft-Bezug vormerken. Das Motiv eines religiösen Kreuzzuges in der Geschichte wird dadurch jedoch nicht gemindert.

Precious Metal sieht nicht nur unheimlich gut aus, es hat dazu eine großartig erzählte, spannende Geschichte, die ganz nebenbei auch auf die heutigen USA passt.

Precious Metal ...

… vereint Bodyhorror mit Science-Fiction und der Frage nach Menschlichkeit.
… schreckt nicht vor Gore und Religion zurück.
… ist einfach außergewöhnlich und faszinierend.

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Precious Metal

Szenario: Darcy van Poelgeest
Zeichnungen: Ian Bertram
Farben: Matt Hollingsworth
Übersetzung: Frank Neubauer
Hardcover mit 320 Seiten
ISBN: 978-3-9866678-3-2
Erschienen am: 16.03.2026
bei Cross Cult

Der Comic wurde mir als kostenfreies Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Meine Meinung ist dadurch nicht beeinflusst.

In der Comicklatsch-Folge zum Comic Salon Erlangen 2026 erfahrt ihr ein bisschen mehr über Darcy van Poelgeest, den wir kurz in einer Autogrammstunde getroffen hatten.

© Cross Cult

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