Montagsfrage #71

Jeden Montag stellt Antonia von Lauter&Leise die Montagsfrage.

Antonia fragt uns diesen Montag:

Welche Bücher mit Illustrationen im Mittelpunkt des Werkes (= Graphic Novels, Comics/Manga, illustrierte Schmuckausgaben etc.) sollten in keinem Buchregal fehlen?

Wo soll ich den bitte nun bloß anfangen? Hallo, ich bin Ariane, die die bei Montagsfragen immer mit ihren Comics ankommt, und nun kommt meine Paradedisziplin und ich weiß nicht, wo ich anfangen soll. Natürlich habe ich auch illustrierte Bücher – so wunderschöne – und aktuell lese ich eine illustrierte Ausgabe von “Die Berge des Wahnsinns”. H. P. Lovecraft sollte jeder kennen und wäre immer ein Muss für jedes Bücherregal.

Ok, ich versuche mich jetzt aber erstmal zu beruhigen, um euch zu sagen, welche Comics für mich einen Platz in jedem Bücherregal verdienen. Superhelden sind für mich in klares Kann und kein Muss, ich werde hier eher nach Relevanz, historischen und künstlerischen Aspekten gehen. Was sollte jeder wissen/kennen und nicht nur Comicbegeisterte? Am Ende wird es eine subjektive Auswahl, die ich versuche, für euch so interessant wie möglich zu halten. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit, versteht sich.

Für euer Bücherregal

Historie

They called us Enemy habe ich erst kürzlich gelesen und im Podcast vorgestellt. Der Schauspieler George Takei, bekannt aus Star Trek TOS, berichtet über seine Kindheit in Internierungslagern. Ein weniger bekanntes Ereignis im Zweiten Weltkrieg, es betrifft den Umgang der USA mit seinen japanischstämmigen Mitbürgern. Sie unterlagen einem Generalverdacht und wurden zu Tausenden in Integrationslager verbracht. Dieser sehr ruhige und dennoch bewegende Bericht über diese Erlebnisse wird im Mai auch bei Cross Cult erscheinen.

Valentin erzählt ebenfalls vom Zweiten Weltkrieg, aber in diesem Fall geht es um eine Episode direkt vor meiner Tür. Der Bau eines riesigen Bunkers aus der Sicht eines KZ-Insassen und eines Fotografen, der mit der Dokumentation des Baus beauftragt wurde. In sehr reduzierten Grafiken wird hier über die Gräuel der Zeit berichtet.

Darwin: An Exceptional Voyage, inzwischen bei Knesebeck auf Deutsch erschienen, ist eine unglaublich schöne Biografie über Darwin. Zum einen zeigt sie Aspekte, die selten erwähnt wurden, zum anderen lässt sie sich ein paar Freiheiten. Wer sich für Darwin interessiert, für den ist dieser Comic wirklich ein Muss.

Gilgamesch von Jens Harder umgesetzt. Mit sehr viel Liebe zum Detail hat er das alte Epos optisch möglichst “zeitgenössisch” umgesetzt. Die Komplexität der Sprache blieb erhalten und die Gestaltung orientiert sich an alten Keilschrifttafeln. Ein Muss für die, die wirklich alte Geschichten lieben.

Relevanz

Betty Boob, spricht über das Tabuthema Brustkrebs und den Verlust einer Brust. Kein leichtes Thema, aber ein wichtiges und daher gestaltet es der Comic möglichst leicht, unbefangen und unterhaltsam. Er soll Mut machen und Kraft geben, trotz eines Themas, vor dem wir Angst haben. Aufgrund des Themas kann ich es nicht vorbehaltlos empfehlen.

Schattenspringer hilft die Welt und ein Teil der vielen Facetten von Autisten zu verstehen. Daniela Schreiter berichtet auf humoristische Weise aus ihrem Leben mit Asperger, wie sie ihren Alltag erlebt und erlebt hat. Verständnis für andere Menschen ist wichtig und hier wird ein leichter Einstieg für mehr Verständnis von anderen angeboten. Nehmt ihn an.

Kunst

Am liebsten mag ich Monster ist nicht nur ganz große Kunst, sondern gehört eigentlich noch mit in die Kategorie Relevanz. Die Welt sieht Karen als Hillbilly, Zigeuner oder Mischling, für ihre Nachbarin Anka ist sie eine Freundin. Ankas Ableben schlägt keine großen Wellen, da sie Jüdin war. Die Thematik ist brisant, die Kunst ist zwischen Pulp und Museen. Ein wirklich außergewöhnliches und zu Recht preisgekröntes Werk.

Der Magnet ist Kunst, Architektur und Gruselgeschichte. Eine fantastische Geschichte und ein großartiges Setting. Seitdem ich den Comic gelesen habe, möchte ich wirklich gerne den Schauplatz der Handlung, die Val Therme, sehen. Ein tolles Stück Kunst.

Myre – Die Chroniken von Yria ist eines der detailverliebtesten Werke, die ich jemals gesehen habe. Dies ist kein Comic zum Lesen, sondern zum Erfassen. Wenig Text, viel Stimmung und so viele Details, die einen minutenlang an ein einzelnes Panel fesseln können. Atemberaubend.

 

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