Vincent +Rezension+

Vincent

Vincent reist in die Provence. Doch statt an Erholung denkt er nur daran, wie er Theo das Geld zurückzahlen kann. Dafür muss er 50 richtig gute Bilder malen. Die berauschende Obstblüte versetzt ihn sofort in einen Arbeitsrausch.

Berauschende Farben

Der Zeichenstil von Barbara Stok unterscheidet sich stark von dem von Vincent van Gogh und genau das macht den Charme aus. Gleichzeitig schafft sie es, dass die Bilder für mich lebendig werden. Sorry, sorry, in meinem Kopf hat der Zug „Tuff, tuff, tuff” gemacht. Ich bin immer wieder beeindruckt, wie einfach und doch intensiv dir das gelingt.

In diesem Comic sind ebenfalls viele Briefwechsel zwischen Vincent und seinem Bruder Theo enthalten. Im Comic wird dargestellt, wie sich Vincents psychische Störung langsam verstärkt. Zu Beginn ist er besonders euphorisch, was sich in Punkten um seinen Kopf in den Bildern zeigt. Diese erscheinen auch, wenn er wütend oder aufgebracht ist. Auch Kringel für die Verwirrtheit fließen ein, anfangs durch Alkoholkonsum und später durch seinen Geisteszustand.

Nach seinem Zusammenbruch in der Heilanstalt wird die Veränderung seines Stils deutlich. Vielleicht verwischt auch seine Sicht und es breiten sich Spiralen am Nachthimmel aus. Selbst sein Bruder schrieb, dass Vincents Farben in dieser Zeit noch intensiver geworden seien. Schon zuvor war Vincent stolz darauf, mit intensiven Farben zu arbeiten. Selbst wenn ich von außen auf die Geschehnisse blicke, habe ich durch die Bildsprache von Barbara Stok das Gefühl, irgendwie im Kopf von van Gogh zu sein. Die seelischen Krisen sind die Seele dieser Bilder. Mal sind sie ganz ruhig, mal werden sie unruhig, durch Pünktchen, Striche und Kringel. In den schlimmsten Situationen verzehrt sich alles.

Besonders gefesselt hat mich eine Serie mit kleinen Panels, die Detailaufnahmen zeigen: eine Libelle, Blätter, die Erde mit einem Regenwurm, Weizen und Wolken. Es ist irgendwie ruhig, entschleunigend und wunderschön. All das sind Bilder der Natur, die er liebt, die ihn beruhigen und fesseln. Sie ist sein Gegenpol zu seinem aufgewühlten Verstand. All dies ist ausdrucksstark durch Stok herausgearbeitet. Anfangs war ich mir nicht ganz sicher, ob ich wirklich eine weitere van-Gogh-Comicbiografie brauche, doch sie ist so völlig anders als die von Danijel Žeželj und ja, ich habe sie gebraucht.

Vincent ist eine gefällige und kurzweilige Biografie, die in die Psyche von van Gogh blicken lässt.

Vincent ...

… hat ein tolle und ausdrucksstarkes Artwork.
… nutzt den Briefwechsel von van Gogh und seinem Bruder.
… macht den Maler für mich nahbar.

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Vincent

Szenario und Zeichnungen: Barbara Stok
Übersetzung: Andrea Kluitmann
Hardcover mit 144 Seiten
ISBN: 978-3-551-80147-0
Erschienen am: 27.01.2026
bei Carlsen

Der Comic wurde mir als kostenfreies Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Meine Meinung ist dadurch nicht beeinflusst.

© Carlsen

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