Hexenkunst +Rezension+
Hexenkunst
Der Comic „Hexenkunst” führt uns mit unterschiedlichen Zeichen- und Erzählweisen durch unterschiedliche Zeiten. Es beginnt mit drei Frauen, die zusammen mit einer Ziege aus Europa nach Argentinien fliehen. Ihre Geschichte wird über Jahrzehnte hinweg erzählt.
Spirituelle Welten und faszinierender Erzählstil
Es gibt acht miteinander verbundene, aber völlig unterschiedliche Geschichten, die insgesamt die Geschichte der drei Hexen erzählen. Dabei wird auch die Mythologie der indigenen Mapuche wird aufgegriffen. Zunächst befinden wir uns jedoch in der Gegenwart von Männern, die Schlafwandeln, erhöhte Triebe verspüren und am Ende impotent sind. Danach reisen wir zurück in der Zeit zu einer jungen Mapuche-Frau, die eng mit der spirituellen Welt verbunden ist. Sie ist es, die anfängt, für die drei Frauen zu arbeiten. Ein Satz, der mich in diesem Abschnitt sehr traurig stimmt, ist: „Es sind immer zuerst die Katzen.”
Danach sind wir wieder in der Gegenwart bei einer Einsiedlerin. Sie hat ihr Leben komplett um ihre Phobie herum aufgebaut. Sie traut sich nicht, ihre Wohnung und erst recht das Haus zu verlassen. Durch einen E-Mail-Austausch gerät sie in die Geschichte der drei Frauen hinein. Als Nächstes bekommt das Christentum sein Fett weg: Ein Mädchen mit Epilepsie, das die Nonnen für besessen halten. Mädchen wie sie können sie nicht gebrauchen, also schicken sie sie zu den Frauen, die fremde Götter anbeten.
Eine weitere Geschichte verrate ich euch noch: Hier ist es das Tagebuch einer jungen Teenagerin, das sie mit kleinen Zeichnungen und in schöner Schreibschrift führt. Diese Mischung ist wirklich großartig, sie hält die Spannung und fügt sich am Ende doch so gut zusammen. Wir erfahren die Geschichte der Hexen aus ganz unterschiedlichen Perspektiven. Die Zeichnungen sind großartig, die Menschen wirken durch ihren etwas wuchtigeren Oberkörper alle sehr stark.
Dieser Zeichenstil gefällt mir sehr. Dazu kommt, dass Menschen immer kleiner werden, wenn sie zusammengestaucht werden oder betteln. Ihre dargestellte Größe nimmt dann einfach ab. Außerdem habe ich einen Lieblingscharakter bzw. ein Lieblingskapitel gefunden: Für mich ist es die Einsiedlerin. Wie sie sich organisiert, wie stringent ihr Tagesablauf ist und vor allem auch, wie dies im Comic dargestellt wird, gefällt mir unglaublich gut. Die Wahl der Stilmittel in diesem Abschnitt finde ich ganz fantastisch.
Wenn ihr mystische Geschichten mögt, in denen drei Frauen nackt mit einer Ziege in einem Kreidekreis tanzen, dann seid ihr hier richtig. Wie die Geschichte erzählt wird, war für mich unerwartet, macht sie aber nur umso besser. Ich bin absolut begeistert, auch wenn ich nicht jedes Detail dieser Geschichte bis ins Letzte verstanden habe. Vielleicht bleibt auch einfach ein bisschen was offen.
Hexenkunst zeigt uns eine Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven über einen langen Zeitraum hinweg. Erneut hat Sole Otero mich begeistern können.
… ist mystisch und spirituell, doch durch die Erzählweise sehr bodenständig.
… hat ein tolles und vielfältiges Artwork.
… konnte mich überraschen und für sich gewinnen.




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Hexenkunst
Szenario und Zeichnungen: Sole Otero
Übersetzung: Lea Hübner
Hardcover mit 376 Seiten
ISBN: 978-3-95640-453-5
Erschienen im Oktober 2025
bei Reprodukt
Der Comic wurde mir als kostenfreies Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Meine Meinung ist dadurch nicht beeinflusst.
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