Der Schnee war schmutzig +Rezension+
Der Schnee war schmutzig
In „Der Schnee war schmutzig“ geht es um Frank Friedmaier, der ein Hurensohn ist. Wortwörtlich und im übertragenen Sinne. Er lebt im Bordell seiner Mutter und tut mit 18 alles, um sein Leben in einer besetzten, verschneiten Stadt so komfortabel wie möglich zu gestalten.
Ein Leben auf Kosten anderer
Das bedeutet, dass er sich über alle Gesetze hinwegsetzt. Er verkehrt in einer Bar mit leichten Mädchen und düsteren Gesellen. Punkt. Er beginnt, Morde zu begehen, um an Schusswaffen zu kommen. Er nimmt sich, was er braucht, um mit dem Mädchen seiner Mutter komfortabel leben zu können. Da er sich über alle Gesetze hinwegsetzt, hat er keine Moral mehr. Nicht selten wirbt er Mädchen für seine Mutter an, und auch vor der jungen Nachbarin, die in ihn verliebt ist, schreckt er nicht zurück.
Bewusst wird hier offen gelassen, in welcher Stadt er sich befindet und wer die Besatzungsmacht ist. Er ist weder Kollaborateur noch im Widerstand. Doch in einer vom Krieg gezeichneten Stadt, in der Mangel herrscht, nimmt er sich, was er kriegen kann, ohne dabei groß an andere zu denken. Er ist gerade erst 18 Jahre alt und schon eiskalt. Eine finstere Geschichte, ein Roman noir, adaptiert als Comic.
Die Zeichnungen sind größtenteils in Grautönen gehalten, nur wenige Farbflecken gibt es. Diese sind meistens rot, wie der Mantel des Nachbarmädchens Sissy, oder rosa. Dieses Grau schlägt sich auch im Schnee nieder, der auf den schmutzigen Bürgersteigen keine Sekunde lang weiß bleibt. Selten kommt auch ein Gelbstich zum Einsatz, doch alles in allem ist diese besetzte Stadt einfach grau in grau. Ob Frank damit auch als moralisch grau dargestellt werden soll oder ob es einfach eine passende Metapher für eine verschneite Stadt ist, darüber bin ich mir nicht ganz sicher. Denn eigentlich ist Frank nicht im Graubereich. Er weiß ziemlich genau, dass das, was er tut, nicht in Ordnung ist, und ich finde es fraglich, ob er überhaupt einen guten Kern hat. Vielleicht hatte er einen, als er ein Kind war. Der kurze Rückblick in seine Kindheit lässt dies zumindest noch vermuten, doch damit ist es längst vorbei. Willkommen in den menschlichen Abgründen!
Der Schnee war schmutzig genau wie Frank Friedmaiers Seele, die längst keine Kälte mehr braucht, um zu erstarren.
… ist eine spannende und abgründige Buchadaption.
… hat ein wirklich drückendes grau-schmutziges Artwork, mit wenigen Farbflecken.
… ist eine zeitlose Geschichte.




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Der Schnee war schmutzig
Szenario: Georges Simenon, Jean-Luc Fromental
Zeichnungen: Yslaire
Übersetzung: Christoph Haas
Hardcover mit 104 Seiten
ISBN: 978-3-551-80637-6
Erschienen am: 09.01.2026
bei Carlsen
Der Comic wurde mir als kostenfreies Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Meine Meinung ist dadurch nicht beeinflusst.
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