Die Konzentration und ich

Die Konzentration und ich

Wer ist eigentlich
diese Konzentration?

Vor einiger Zeit stellte Sandra eine interessante Frage auf Twitter:

Diese lauten Gedanken sind auch für mich kein unbekanntes Problem und somit konnte ich Sandra auch direkt einen Tipp geben, was mir im Studium hilft. Was mir aber erst später klar wurde, ist, wie lang mich dieses Phänomen schon verfolgt. Dass ich es nie so wirklich artikulieren konnte, was in meinem Kopf los ist.

In der Schule

Ihr kennt es ja vielleicht, so eine Schulklasse ist laut. Es gibt immer irgendwelche Geräusche, Gespräche und Geschrei und dabei müsst ihr dann Aufgaben lösen und Klassenarbeiten bewältigen. Für mich war dieser Umgebungslärm so normal, dass ich zu Hause immer starke Probleme hatte, mich zu konzentrieren. Ständig war ich abgelenkt und hab ewig für die Hausaufgaben gebraucht. Nur, wenn ich ewig an den Hausaufgaben gesessen habe, dann habe ich meine Cartoons verpasst. Irgendwann habe ich die einfach angemacht, solange Mama nix merkt, kann ich ja schließlich auch bei den Hausaufgaben fernsehen. Plötzlich lief alles viel besser und schneller. Bald ging ich dazu über, auch den Fernseher bei den Hausaufgaben anzumachen, wenn nichts lief, was mich interessierte, denn tatsächlich war der Effekt derselbe. Gebrabbel im Hintergrund und schon lief es. Ihr ahnt es sicher schon, das bedeutete Krieg zu Hause. Natürlich war ich nur “so schlecht” in der Schule, weil ich immer beim Lernen den Fernseher laufen habe und in Wirklichkeit auch nicht lerne.

Gedankenkarussell im Bett

Irgendwann haben einen die Alltagsprobleme voll im Griff. Bei mir ging es dann los, dass ich abends nicht einschlafen kann. Mein Kopf kam nicht zu Ruhe und das Gedankenkarussell lief auf Hochtouren. Außerdem musste mir mein Kopf immer mal wieder mit Begeisterung aufzählen, wie dämlich ich mich doch in der einen oder anderen Situation im Leben angestellt habe. Es musste Ablenkung her, nur wie? Irgendwann fing ich dann aus reiner Selbstverteidigung an, zu überlegen was in dem letzten Film, den ich geschaut habe, denn alles hätte anders laufen können. Wo waren die Logiklöcher, was wäre, wenn es dieses Logikloch nicht gegeben hätte? Die Gedankenspirale war plötzlich ruhig, denn ich war schwer damit beschäftigt mir quasi eine Art Fan-Fiction im Kopf zu basteln. Mit den Gedanken einzuschlafen, bedeutet übrigens in meinem Fall häufig, im Traum plötzlich in Actionfilmen mitzuspielen. Ein cooler Nebeneffekt.

Konzentration im Studium

Im Studium ging es wieder los. Konzentration bitte, nur nicht ablenken lassen. Doch mit Smartphone neben einem ist das nicht grade einfach. Nur ein kurzer Blick, weil Pausen beim Lernen ja guttun und schwups, 20 Minuten Lernen und 30 Minuten Pause. Besonders diese extra zähen und trockenen Skripte zu lesen und dabei sich nicht von jedem Geräusch oder Gedankengang ablenken zu lassen, war eine riesige Herausforderung. Wie unglaublich viele Dinge, die mir im Laufe der Woche mal in den Kopf gekommen sind, ich plötzlich beim Lernen gegoogelt habe. Irgendwie kam ich dann auf A soft Mur Mur. Ablenkungen einfach wegspülen? Klar, warum nicht probieren. Klangschalen und ein kleines Feuer und plötzlich ging sogar das schlimmste Skript relativ einfach von der Hand. Hab ich da schon die Brücke zu meiner Schulzeit geschlagen? Nein, denn inzwischen war ich komplett auf “alles muss still sein beim Lernen” eingenordet.

Abschalten können

Was war das Resultat daraus? Ich kann nicht abschalten. Seien sie still und atmen ruhig ein und aus, achten sie auf ihren Atem. Sobald ich auf meinen Atem achten soll, drehe ich ab und werde komplett unruhig. Geführte Entspannungsreise, ok aber bitte nicht auf das Blumenfeld. Da bekomme ich schon wegen des möglichen Geruches Atemnot. Ruhig sitzen und meditieren ist da auch nicht so meins. Tatsächlich ist sehr bewusstes Bewegen, wie bei Chi Gong und Yoga, eher meins, da mein Fokus sich verschiebt. So ein Entspannungsbad ist doch auch was Feines für die verspannten Schultern, aber A Soft MurMur lief über das Handy nur dürftig und wenn ich auf Vorlesung war, fehlte mir abends oft das Schnurren der Katzen. Ich habe dann eine App mit Katzenschnurren gefunden und Klangschalen und so vielen anderen Sounds. Ambience ist seit dem mein Begleiter fürs Baden geworden. 10 Minuten baden, ohne einen Lagerkoller zu bekommen, war eine neue Erfahrung für mich. Das hat nun wirklich etwas von Abschalten.

Tinnitus

Ich habe CMD, sitze oft den ganzen Tag am Schreibtisch zum Arbeiten und Lernen und bin dann oft komplett verspannt. Diese Verspannungen rufen oft auch einen Tinnitus hervor. Nun kommt wieder der Brückenschlag zu Sandras Tweet, denn nicht nur ich habe ihr einen Tipp geben können, sondern auch Der Tolkienist. Er hat Sandra My Noise empfohlen und die haben eine “Ich leide an Tinnitus” Kategorie. Nach acht Stunden am Schreibtisch lernen war genau der wieder da und ich musste mir auf My Noise diese Kategorie mal genauer anschauen. Für mich ist es wirklich eine Wohltat. Ich hatte völlig vergessen, wie gut diese Hintergrundgeräusche tun können. Dabei lese ich ständig, wenn der Fernseher läuft. Da fiel es mir dann auch so schleichend wieder ein, wie ich den Krieg mit meiner Mutter hatte, weil ich den Fernseher laufen haben wollte bei den Hausaufgaben. Wobei ich aufpassen musste wegen der Stimmen, wenn die so leise sind, dass ich sie nicht mehr verstehen kann, wurde ich auch wieder wuschig. Ich muss ihnen also bewusst nicht zuhören wollen oder es sollten keine Stimmen da sein. Gemurmel ist aber auch noch ok, aber eben auch nicht immer.

Wie ist es bei euch? Braucht ihr totale Stille, um zu Lernen, zu Lesen oder zu Entspannen oder helfen euch Nebengeräusche um herunterzukommen und euren Fokus zu finden?

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6 Gedanken zu „Die Konzentration und ich

  1. Hi,
    wie du weißt, geht es mir ganz ähnlich … Marcel Tipp ist Gold wert, ich habe nun häufig MyNoise laufen, wenn ich im Homeoffice arbeite. Im Büro sind ja einige Geräusche, da geht es eigentlich. Was ich aber zum ersten Mal höre, ist, dass es dir mit den Atemübungen wie mir geht 🙂 Ich höre das häufiger von anderen und ich sage immer, dass das bewusste Atmen ohne Bewegung dabei, mich eher total wuschig macht! Die Vorstellung einer Blumenwiese bringt mir auch nichts (zum Glück auch keine Atemprobleme), da ich die Wiese ja eh nicht visualisieren kann und ich dann einfach nur ins Schwarze starre – langweilig.

    Liebe Grüße
    Sandra

    1. Hey Sandra,
      wenn ich an Blumen denke habe ich einfach einen bestimmten Geruch in der Nase. Heuschnupfentrigger. Das ist aber auch so, wenn ich an Bücher denke, dann hab ich so einen Antiquariatsgeruch in der Nase. Sehen ist ehr schwieriger aber riechen kann ich recht leicht. Fällt mir grade so auf…
      Liebe Grüße
      Ariane

  2. Liebe Ariane,

    spannendes Thema, über das ich mir noch nie so bewusst Gedanken gemacht habe.

    In manchen Punkten geht es mir wie dir, in anderen ganz anders.
    Zu Schulzeiten konnte ich tatsächlich auch immer am besten lernen, wenn nebenbei der Fernseher oder Musik lief. Auch lesen und parallel Serien/Filme schauen, war kein Problem (ich habe sogar beides “aufnehmen” können, konnte mich also hinterher an die Handlung von beidem erinnern). Damals brauchte ich allerdings generell immer eine gewisse Geräuschkulisse um mich herum.

    Im Studium hat sich das dann gewandelt: Leise Musik war okay, aber TV lenkte mich zunehmend vom Lernen ab. Über die Jahre hinweg habe ich auch immer mehr eine (fast) vollkommene Stille um mich herum zu schätzen gelernt. Inzwischen kann ich nicht mal mehr kurz durch die Social Media scrollen, wenn parallel ein Film/ eine Serie läuft, weil ich dann die Story auf dem Bildschirm komplett ausblende. Selbst beim Lesen ist für mich höchstens noch leise Musik okay – und dann am besten etwas ohne Text oder zumindest Musik, die ich nicht allzu gut kenne (andernfalls beginne ich nämlich, mitzusingen oder ähnliches).

    Lediglich beim reinen “Abarbeiten” von etwas (Haushalt, Ausfüllen von Formularen, Japanisch-Hausaufgaben) kann ich problemlos nebenbei etwas hören oder sehen. Beim Autofahren brauche ich sogar Musik oder Hörbücher für die Konzentration (und wie früher beim Lernen in der Schule kann ich hier beides noch besser “verarbeiten” als in jeder anderen Situation).

    Beim Einschlafen fängt bei mir ebenfalls schnell das Gedankenkarussell an – manchmal helfen Musik, ein Hörbuch oder Hintergrundgeräusche (am liebsten Gewitter 😉 ), manchmal hilft dagegen gar nichts.
    Beim Yoga, Wandern oder Meditieren fällt es mir zwar leicht, den Kopf “auszuschalten”. Doch abends im Bett helfen mir diese Techniken nicht, da sie eine bewusste Handlung sind und alles, was mein Kopf oder Körper gezielt/ bewusst tut, hindert am Einschlafen. Daher bringt es mir auch nichts, wenn ich eine Art Traumreise mache oder wie du versuche, meine Gedanken “umzulenken”.

    Liebe Grüße
    Kathrin

    1. Hallo Kathrin,
      ich glaube mit Texten hätte ich auch meine Probleme beim Lernen. Lesen und TV ist häufig ok aber das geht auch nicht immer und ich kann auch nur noch eine Sache aufnehmen.
      Manchmal versuche ich auch im Bett diese typischen Abschlussübungen, bei denen man sich im Liegen “einsinken” lassen soll. Da ich davon beim Yoga auch gerne schläfrig werde, probiere ich es auch manchmal zum Einschlafen.
      Liebe Grüße
      Ariane

      1. Ich finde es immer ein wenig faszinierend, wenn ich höre / miterlebe, wie andere bei der Endentspannung im Yoga schläfrig werden oder sogar richtig wegdösen. Ich komme zwar auch zur ruhig und kann “loslassen”, werde dabei aber nicht müde, sondern eher wach, weil mir das bewusste Entspannung neue Energie schenkt. An manchen Abenden bin ich nach dem Yoga viel munterer als während des gesamten Tages. XD

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