Bestiarium Groenlandicum +Rezension+
Bestiarium Groenlandicum – Die mythischen Wesen Grönlands
Das Bestiarium Groenlandicum erfasst die mythischen Wesen Grönlands in einem Kompendium. Dabei wird darauf geachtet, möglichst einheimische grönländische Mythen zu verwenden und nicht solche, die erst nach und nach mit den Siedlern eingereist sind. Einige dieser Wesen sind in vielen Orten Grönlands bekannt, andere nur in einigen wenigen. Acht Künstler waren daran beteiligt, die Bilder der Fabelwesen zu zeichnen. Angehängt sind ebenfalls ein Literaturverzeichnis zur Quellenangabe sowie ein Glossar mit Begriffen der Inuit.
„Zwar ist der Glanz des Heidentums im Laufe der Zeit verblasst, er wird aber nicht erlöschen, solange die Nordlichter ihren Tanz am Himmel vollführen, Stürme toben und die Brandung gegen den Fels prallt, solange Wind und Strömung unter der lodernden Sonne das Eis auftürmen.“ – Jens Rosing
Faszinierende Mytehnwelt
Ich möchte hier ein bisschen mehr auf einige meiner liebsten Kreaturen eingehen, um euch einen Eindruck davon zu vermitteln, was euch in diesem Buch erwartet. Da wäre die SASSUMA ARNAA, auch „Die Mutter des Meeres“ genannt. Sie taucht in vielen Mythengeschichten in Grönland auf. Oftmals war sie eine Magd, die über Bord geworfen wurde. Nun lebt sie unter Wasser weiter. Wenn die Menschen gegen ihre Gebote und Verbote leben, behält sie die Beutetiere für sich. Um sie zu besänftigen, muss sie gereinigt werden. Damit passt sie perfekt in die heutige Zeit als Metapher für Umweltverschmutzung. Wir erfahren mehr über das Mythwesen an sich und hören eine der Versionen ihrer Geschichte.
EQALUSSUAQ „Der Haifisch“. Natürlich ist dieser Hai ein Grönlandhai und als Haifischliebhaberin muss ich unbedingt auch diese Kreatur vorstellen. Grönlandhaie können unheimlich alt werden, doch dieser besondere Hai kann noch viel mehr: Er beschützt die Schwächsten der Menschen, elternlose Kinder, alleinstehende Frauen und Witwen, und beschafft ihnen Nahrung, wenn sie hungern. Bei Bedarf kriecht er über Land und schwimmt in den Seen des Eisschildes umher. Ein gutherziger Hai ganz nach meinem Geschmack.
ANNGIAQ „Das Geheimnis“. Auch hier hat es wieder die Schwächsten der Schwachen getroffen: Dieses Wesen entsteht, wenn ein Fötus oder ein Baby getötet wird. Doch Grönland ist nicht das einzige Land, das diese Art von Fabelwesen hat: Auch im Comic Trese gibt es Wesen, die auf diese Art entstehen und ihre Rache nehmen. Bereits auf den ersten Seiten begegnete mir AASSIK „Der Riesenwurm“. Er hat mich absolut fasziniert. Ein ähnliches Wesen begegnete mir im Comic Siberia 56, einer der ersten Comics, die ich auf meinem Blog vorgestellt habe. Es ist allerdings nicht verwunderlich, wenn sich ein Autor an der grönländischen Mythologie bedient, wenn er einen Eisplaneten kreiert.
Falls es ausreichende Beschreibungen zum Aussehen der einzelnen Kreaturen gibt, werden diese auch bildlich dargestellt. Gibt es Geschichten oder kurze Anekdoten, in denen sie vorkommen, werden auch diese im Bestiarium ergänzt. Wir erhalten einen tollen Einblick in die grönländische Mythologie mit ihren Wesen, Geistern und Fabelwesen von A bis U. Wenn ihr nun auch mehr über diese Wesen, Angakkut (Schaman:innen) und ihre Hilfsgeister erfahren möchtet, solltet ihr unbedingt in dieses Kompendium reinlesen.
… ist voller Fabeln, in denen Frauen gleichberechtigt wirken.
… zeigt eine spannende Zusammenstellung der grönländischen Fabelwelt.




Bestiarium Groenlandicum
Recherche: Maria Bach Kreutzmann, Ujammiugaq Engell, Robin Fenrir Mansa Hillestrøm und Qivioq Nivi Løvstrøm
Illustrationen: Agust Kristinsson, Carina Lillegaard Løvgreen, Christian Fleischer Rex, Coco Apunnguaq Lynge, Jonatan Brüsch, Maja-Lisa Kehlet, Maria Bach Kreutzmann und Martin Brandt Hansen
Übersetzung: Miranda M. Nicholas-Zaar und André Wilkening
Hardcover mit 160 Seiten
ISBN: 978-3-69096-012-0
Erschienen am: 09.03.2026
beim Inuit Verlag
Das Buch wurde mir als kostenfreies Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Meine Meinung ist dadurch nicht beeinflusst.
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