When Women were Dragons – Unterdrückt, Entfesselt, Wiedergeboren +Rezension+

When Women were Dragons – Unterdrückt, Entfesselt, Wiedergeboren

Alex berichtet über ihr Leben. Sie beginnt in ihrer Kindheit und erzählt, dass sie vieles, was passiert ist, nicht verstanden hat. Keiner der Erwachsenen hat mit ihr darüber gesprochen. Irgendwann war ihre Mutter plötzlich verschwunden und ihre Tante Marla hat sich um sie gekümmert. Als ihre Mutter zurückkam, waren an der Stelle, wo ihre Brüste waren, nur noch zwei Bisswunden. Niemand hat ihr gesagt, dass ihre Mutter krank war, und niemand hat ihr gesagt, ob sie wiederkommen würde oder nicht. Mit ihr hat einfach niemand über irgendetwas geredet.

1955, USA: eine Welt, die fast wie unsere ist

Früh hat Alex gelernt, dass es Dinge gibt, über die man mit Kindern nicht spricht, und Dinge, über die generell nicht geredet wird. Dazu gehört es, wenn sich Frauen verändern. In der Schule, zu Beginn der Pubertät, wurden sie, salopp gesagt, aufgeklärt. In Wahrheit wurde ihnen über die Veränderungen ihres Körpers berichtet und darüber, warum sie „es“ nicht tun sollten. Was damit gemeint war, war das Drachenwandeln. Denn Frauen, die wütend werden, können sich in Drachen verwandeln. Sie können sich an den Männern, die sie verraten haben, rächen, sie fressen, verbrennen, Häuser anzünden, alles verwüsten und ihrer Wut freien Lauf lassen.

Doch so etwas wird Kindern nicht erzählt, auch nicht Mädchen, denn sie würden ja schon wissen, wovon man spricht. Tatsächlich versteht keins der Mädchen wirklich etwas, weil niemand offen darüber redet. Erst vermutet Alex, die Lehrstunde bezog sich auf Menstruation und Pubertät, doch später wird ihr klar, dass es um das Drachenwandeln geht. Wir haben das Glück, ein bisschen mehr zu erfahren, denn neben dem Bericht von Alex über ihre Mutter, ihren Vater, ihre Tante und später auch ihre Cousine – oh, ich meine natürlich ihre Schwester – erfahren wir mehr. Es gibt Einschübe in diesem Roman aus Zeitungsartikeln und wissenschaftlichen Ausarbeitungen, die aber nur unter dem Tisch verbreitet werden dürfen, denn über das Drachenwandeln spricht man nicht, es ist irgendwie peinlich, wie Geschlechtsverkehr und die Periode.

Feurige Wut

Als sich Alex‘ Tante Marla wandelt, wurde plötzlich aus ihrer Cousine ihre Schwester. Eine Tante hatte sie nie, auch eine Cousine hat es mir so gesagt. Es war einfach schon immer ihre Schwester, nur das darf sie sagen, nur das ist die Wahrheit. Als wäre das Leben mit einer Mutter, die sich aufopfert, die eine Nichte wie die eigene Tochter großzieht, und einem Mann, der ständig auf „Dienstreise“ ist, nicht schon schwierig genug. Nein, ihre Krankheit kehrt zurück. Sagen wir es mal vorsichtig: Ihr Ehemann bekleckert sich nicht gerade mit Ruhm.

Die Art und Weise, wie er mit seinen Töchtern umgeht, hat mich schockiert und unglaublich wütend gemacht. Ständig schafft er es, dass ich noch wütender werde. So hat es dieser Roman geschafft, dass ich mich am liebsten selbst in einen Drachen verwandelt und ihn angezündet und aufgefressen hätte. Ich war stinksauer, und genau das will dieser Roman ausdrücken.

Es geht um „Female Rage“ und dieser Wut wird durch die Metapher des Drachenwandelns unglaublich viel Raum geschaffen. Früh merken wir, wie auch junge Mädchen Dinge erfahren, die sie wütend machen. Doch die Gesellschaft verbietet es ihnen, wütend zu sein. Sie dürfen nicht wütend werden, wenn nämlich „damenhaft“ sein, sich zurücknehmen und lächeln, anständig sein, gefordert wird. Ja, natürlich spielt dieser Roman in den 1950er und 1960er Jahren, in denen der Stellenwert von Frauen und Hausfrauen ein völlig anderer war als heute. Dennoch ist es einfach eine gleißende Wut, die mich immer wieder überkommt.

Die Forschung zum Drachenwandeln wird als unamerikanisch verfolgt. Queere Themen und die Perspektiven queerer Personen sind hier genauso wichtig wie die Frage, was es bedeutet, eine Frau zu sein. Dies kann persönlich sein und sich über die Jahre hinweg verändern. Anfangs sind die eingeschobenen akademischen Schriften für mich ein bisschen sperrig gewesen, doch je weiter ich gelesen habe, desto größer wurde meine Wut und desto faszinierter war ich von Alex Leben. Ein wirklich starker Titel, den ich gerne weiterempfehle.

When Women were Dragons ...
… beschreibt die Befreiung von Frauen in der Drachenwandlung.
… lässt die Methaper Hausdrache real werden.
… zeigt die Stärke von Frauen, egal ob sie sich wandeln oder nicht.

When Women were Dragons – Unterdrückt, Entfesselt, Wiedergeboren

Szenario: Kelly Barnhill
Übersetzung: Isabelle Gore
Hardcover mit 448 Seiten
ISBN: 978-3-98666-648-4
Erschienen am: 04.11.2024
bei Cross Cult

Das Buch wurde mir als kostenfreies Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Meine Meinung ist dadurch nicht beeinflusst.

Mehr aus dem weiblichen Blickwinkel:
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When Women were Dragons
© Cross Cult

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