Nächte einer Hexe +Rezension+
Nächte einer Hexe
Achtung: Dies ist der zweite Band zu Tage einer Hexe von Genoveva Dimova und enthält Spoiler zu Band 1.
Chernograd hat sich ein wenig verändert. Nun ist es auch im Sommer eisig kalt und es liegt Schnee. Schlimmer noch: Sowohl in Chernograd als auch in Belograd wurden Hexen ermordet und ihre Schatten gestohlen. Unabhängig voneinander beginnen Kosara und Arsen zu ermitteln.
Die Mauer ist offen
Die Mauer ist nach Ende des ersten Bandes für Menschen durchlässig, doch Monster können sie nicht überwinden. Der Schmuggel für Karaiwanow bleibt damit weiterhin lukrativ. Während die Ermittlungen Arsen zu einer Auktion von Karaiwanow führen, bitten Malamir und Roksana Kosara um Hilfe. Sie schenkt ihnen ihr Vertrauen, obwohl sie schon von beiden hintergangen wurde.
Viele kleine Dinge schaukeln sich zu etwas Großem auf. Diesmal ist Kosaras Haus ein wichtiger Dreh- und Angelpunkt. Ohne Angst vor dem Geist ihrer Schwester verbringt sie dort mehr Zeit in ihrem Chaos. Ein Chaos, das eine Mischung aus professioneller Hexe, Kräutern, einer Glaskugel und so weiter ist, sowie mächtige Zauberbücher, die unter Tischbeine geklemmt werden, damit der Tisch nicht wackelt. Dickköpfig, impulsiv und chaotisch; das ist Kosara, und genau das macht sie mir so sympathisch. Leider ist sie auch kurzsichtig, was ein anderes Problem darstellt.
Vila ist zwar Kosaras Lehrerin und hat ihr viel beigebracht. Gleichzeitig ist sie jedoch verschwiegen und spielt so gut wie nie mit offenen Karten. Sie ist sehr alt, ihr Wissen ist enorm, wenn sie es denn mal teilen würde. Arsen hat es geschafft, sich schnell an die neuen Verhältnisse anzupassen. Als Polizist liegt sein Fokus auf Karaiwanow und damit auch auf dem Versprechen an seine tote Frau. Nur vor der Möglichkeit einer neuen Beziehung hat er Angst. Zum Glück für mich ist deren „Meine Güte, stellt euch doch nicht so an”-Liebesproblem nur marginal für die Geschichte.
Monster, Hexen, Schnee im Sommer
Es gibt wieder zahlreiche Monster: Ruba, Varkolak, Karakonjul, der Mratinyak und auch der Zmey hat seine Rechnung mit Kosara noch nicht beglichen. Außerdem scheinen nicht alle Belograder begeistert davon zu sein, dass sie inzwischen regelmäßig Besuch von ihren Nachbarn bekommen. In Chernograd spitzt sich aufgrund des ausbleibenden Sommers und der neuen Einkaufsmöglichkeiten die wirtschaftliche Lage zu. Damit wird es in diesem Band durchaus ein bisschen politisch. Ein spannender Blickwinkel, der jedoch wenig Einfluss hat.
Wie unprofessionell von mir! Bei all den spannenden Wendungen um die toten Hexen und der verschwundenen Ruba habe ich ganz vergessen, mir Notizen zu machen. Das Happy End des ersten Bands war definitiv noch nicht das Ende, und so glücklich, wie erhofft, sind viele mit der durchlässigen Mauer gar nicht. Kosara und Arsen haben es in sechs Monaten nicht geschafft, den ersten Schritt zu machen und ihren Gefühlen nachzugeben. Doch das nur am Rande, denn es gibt genug Probleme, mit denen sich Kosara, ihre Mentorin Vila und Arsen auseinandersetzen müssen. Es spuken Kikimora umher, in Kosaras Kopf wütet der Zmey und dann ist da noch dieser Riesenhahn. Dazu passiert dies alles außerhalb der schmutzigen Tage.
Der zweite Band um Kosara hat mich erneut gut unterhalten. Ich liebe einfach ihre Art und ihre Verbissenheit. In vielen Dingen erkenne ich mich selbst wieder. Doch irgendwie ging mir das Ende zu schnell. Ich freue mich, und doch hätte ich gerne mehr Zeit mit allen verbracht. Andererseits wurde auch nichts unnötig in die Länge gezogen, weshalb ich mich hin- und hergerissen fühle. Vermutlich bin ich einfach nur traurig, dass diese Dilogie vorbei ist.
Wer die Monster-Mythologie aus dem Hexer mag, ist bei der Nächte einer Hexe absolut richtig. Die Dilogie ist mit diesem Band abgeschlossen. Spannend, mit queeren Charakteren und einer absoluten Dickschädelin, die sich erst in Probleme bringt und sich dann wieder daraus befreien muss. Für mich war es ein echtes Lesevergnügen und Kosaras Welt habe ich mehr als lieb gewonnen.
… hat mich mitfiebern lassen, auch wenn ich gerne noch länger gefiebert hätte.
… ist erneut eine tolle Mischung aus slawischer Folklore und Ermittlungen.
Nächte einer Hexe
Szenario: Genoveva Dimova
Übersetzung: Wieland Freund und Andrea Wandel
Hardcover mit 448 Seiten
ISBN: 978-3-608-96685-5
Erschienen am: 13.09.2025
bei Hobbit Presse
Das Buch wurde mir als kostenfreies Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Meine Meinung ist dadurch nicht beeinflusst.
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